CO Berlin Ausstellung
Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv und ist nicht mehr aktuell.

Nahe dran bei C/O Berlin

Die Arbeiten von zwölf Fotografinnen der Magnum-Fotoagentur werden derzeit in einer großen Ausstellung unter dem Titel »Close Enough« bei C/O Berlin gezeigt. Der Titel spielt auf Robert Capas Satz an: »Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran«.

In der Ausstellung wird schnell klar, dass mit Nähe hier nicht nur der rein fotografische Abstand gemeint. Manche Projekte basieren auf jahrelangen Beziehungen, andere auf nur kurzen, intensiven Momenten. Immer geht es darum, wie Begegnungen entstehen, wie sie sich verändern und welche Verantwortung eine Kamera in diesen Situationen mit sich bringt.

Die Themen könnten unterschiedlicher kaum sein. Alessandra Sanguinetti begleitet zwei Mädchen im ländlichen Argentinien über Jahrzehnte. Die Bilder erzählen von Vertrautheit und vom Heranwachsen, ohne sentimental zu wirken. Auch Sabiha Çimen arbeitet über längere Zeiträume. Sie fotografiert Schülerinnen einer Koranschule in Istanbul, ein Umfeld, das sie aus ihrer eigenen Jugend kennt. Ihre Aufnahmen wirken persönlich und zugleich respektvoll. Man spürt, dass Vertrauen nur langsam wächst.

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Wieder anders sind die Serien von Cristina de Middel, in denen Männer aus verschiedenen Ländern porträtiert werden, die ihr von ihren Besuchen in Bordellen erzählen. Die nüchterne Präsentation ihrer Porträts und Notizen schafft Distanz und legt doch viel frei über Macht, Erinnerung und Scham.

Hannah Price wählt einen vollkommen anderen Ausgangspunkt. Männer, die sie auf der Straße anpfeifen, bittet sie um ein Porträt. Aus einer unangenehmen Situation entsteht ein ungewohnter Rollenwechsel. Dieser weiche Perspektivwechsel zieht sich durch viele Arbeiten der Ausstellung.

Die Fülle an Themen, Stilen und Präsentationsformen in der Ausstellung kann leicht ein wenig überfordern. So ging es mir zumindest. Manche Wände sind dicht gehängt, andere Serien verlangen viel Konzentration und Offenheit. Man sollte sich Zeit nehmen für die Ausstellung oder sie am besten in mehreren Etappen besuchen. Mit einer nur oberflächlichen Betrachtung würde man der Arbeit der herausragenden Fotografinnen nicht gerecht.
Noch näher kommt man den Fotografieren, wenn man sich den Audioguide anhört. Unter dem Motto „Listen to the Artists“ erzählen die Künsterlinen über ihre Arbeit.

Geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 28. Januar täglich von 11 bis 20 Uhr. Das Ticket kostet 12,- €

Webseite zur Ausstellung

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