80 Jahre Haus am Waldsee
Das Haus am Waldsee in Berlin-Zehlendorf feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag als Ausstellungsort. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen für kulturelle Aktivitäten genutzt. Im Juni 1945 spielten hier im Garten die Berliner Philharmoniker, es gab Theateraufführungen, das Kunstamt Zehlendorf wurde eingerichtet und ab 1946 begann der Ausstellungsbetrieb. Die erste Ausstellung zeigte Werke der kurz vor Kriegsende verstorbenen Käthe Kollwitz.
Das Gebäude hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Villa wurde 1922 für den jüdischen Textilfabrikanten Hermann Knobloch und seine Familie erbaut. Die Knoblochs mussten das Haus bereits 1926 verlassen und flohen 1936 vor der NS-Verfolgung nach Buenos Aires. Ab 1942 diente das Anwesen als Dienstvilla von Karl Melzer, dem Vizepräsidenten der Reichsfilmkammer.
Genau diese Geschichte macht die Jubiläumsausstellung »Wo ich wohne« zum Thema, die noch bis zum 27. September 2026 zu sehen ist. Den Titel entlehnen die Kuratorinnen Anna Gritz und Pia-Marie Remmers einer Kurzgeschichte von Ilse Aichinger, in der eine Wohnung Stockwerk um Stockwerk absinkt — und alle so tun, als wäre nichts. Was prägt die Orte, in denen wir wohnen? Welche Spuren hinterlassen sie? Das sind die Fragen, die die Schau durchziehen.
Ein besonderer Reiz liegt darin, dass viele der gezeigten Werke schon einmal hier waren. Oskar Schlemmers »Fensterbild« von 1942 etwa hing bereits 1949/50 an diesen Wänden. Eine Werkgruppe von Renée Sintenis kehrt sogar in ihrer originalen Ausstellungskonstellation von 1958 zurück, präsentiert in einem wieder freigelegten Wandschrank im Obergeschoss. Und Arbeiten von Hannah Höch, Henry Koerner und Robert Haas knüpfen unmittelbar an die frühe Ausstellungsgeschichte des Hauses an.
Auch zeitgenössische Positionen spielen natürlich eine wichtige Rolle, denn das ist nach wie vor der Schwerpunkt des Hauses. Nigin Beck hat eigens für die Ausstellung Porzellan- und Glasarbeiten geschaffen, die an Fassade, Balkonen und im Garten zu entdecken sind. Atiéna R. Kilfa bespielt das ehemalige Damenzimmer mit rätselhaften Stillleben, Ian Waelder blendet die Besucherinnen und Besucher mit auf Augenhöhe installierten Autoscheinwerfern. Und im Untergeschoss erfüllt das Knistern eines Feuers die Räume — Soundtrack der Videoarbeit »Burn« von Patrick Jolley und Reynold Reynolds, in der Hausbewohner seelenruhig ihren Alltag fortsetzen, während um sie herum alles in Flammen steht.
Für mich untrennbar mit dem Haus verbunden ist der wunderbare Garten direkt am See. Er macht diesen Ort zu etwas ganz Besonderem — einer echten Oase der Ruhe, die es deshalb auch in mein gleichnamiges Buch geschafft hat.
Auch im Garten darf die Kunst natürlich nicht fehlen. Einige Skulpturen und Installationen sind ständig dort zu sehen, anderes wird nur temporär installiert. Anlässlich des Jubiläums kann man den Garten ganz besonders erleben: bei einem Soundwalk der Künstlerin Ayumi Paul. »Fischmond am Waldsee« nennt sie ihren poetischen Spaziergang, den man entweder auf dem eigenen Smartphone oder auf einem ausleihbaren Mediaplayer anhören kann. Er dauert etwa 50 Minuten — und man betrachtet das Gelände danach noch einmal mit ganz anderen Augen.
Es gibt also viele Möglichkeiten, dieses fantastische Haus und seinen Garten für sich zu entdecken. Und wenn es nur eine (übrigens sehr gute) Tasse Kaffee auf der Terrasse mit Blick über den See ist. Auch das ist schon ein sinnlich besonderes Erlebnis.
Das Haus am Waldsee ist mit der U3 (Krumme Lanke) oder S1 (Mexikoplatz) erreichbar. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Der Eintritt kostet 9,- € ermäßigt 6 €. Garten und Café kann man auch ohne Ticket besuchen.
Tipp: Das Haus am Waldsee und sein Skulpturengarten gehört zu den Oasen der Ruhe in Berlin, die ich in meinem gleichnamigen Buch beschreibe. Darin findest du noch viele andere schöne Orte, die zur Entspannung einladen.
