Alltag in der DDR Fotografie

Alltagsfotografie aus der DDR

Angenehm unspektakuläre Fotos sind derzeit in den Reinbeckhallen in Berlin-Schöneweide zu sehen. »Alltag in der DDR – Straßenfotografien aus den 70er Jahren« heißt die Ausstellung.

Gezeigt werden Aufnahmen, die Klaus Greiner vor rund 50 Jahren für eine Ausstellung des Kulturbundes der DDR in der Berliner Stadtbibliothek gemacht hat. Greiner war kein professioneller Fotograf, sondern Professor an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Seine Kamera nahm er vor allem mit, um das festzuhalten, was ihm im Alltag begegnete.

Kurator der damaligen Ausstellung war der bekannte Fotograf Arno Fischer. Er erkannte die besondere Qualität der Aufnahmen und stellte sie 1976 erstmals öffentlich aus. 50 Jahre später sind die Fotografien nun wieder zu sehen. Ergänzt wird die ursprüngliche Auswahl durch weitere, bislang unveröffentlichte Bilder aus Greiners Archiv.

Eigentlich passiert auf den Bildern nichts Spektakuläres. Menschen stehen vor Geschäften, sitzen auf einer Bank, warten irgendwo oder gehen ihrer Arbeit nach. Kinder spielen auf der Straße, Passanten laufen durch die Stadt. Dazu kommen Schaufenster, Autos, Fassaden und andere ganz alltägliche Dinge.

Doch gerade dieses Nebensächliche macht den Reiz der Bilder aus. Greiner wollte keine großen Geschichten erzählen, sondern beobachtete seine Umgebung aufmerksam. Dabei arbeitete er häufig mit Bildserien. Er fotografierte eine Situation also nicht nur in einem einzelnen Bild, sondern hielt sie in mehreren Aufnahmen fest. So entstehen kleine Alltagsgeschichten, die manchmal fast wie kurze Filme wirken. Eine Handlung entwickelt sich, Menschen kommen oder gehen, eine Situation verändert sich. Als Betrachter kann man sich gut vorstellen, dass die Szene gleich weitergeht.

Die Fotos waren schon vor 50 Jahren interessante Beobachtungen des damaligen Lebens. Mit dem großen zeitlichen Abstand sind sie aber noch etwas anderes geworden: historische Dokumente. Sie zeigen nicht die großen Ereignisse der DDR-Geschichte, sondern den ganz normalen Alltag. Und gerade der ist heute besonders aufschlussreich. Kleidung, Autos, Geschäfte, Reklame, Straßenzüge und das Verhalten der Menschen erzählen nebenbei viel über eine vergangene Zeit.

Das ist überhaupt der besondere Reiz dieser Art von Fotografie, die heute meist als »Streetfotografie« bezeichnet wird. Fotografen halten fest, was ihnen auf der Straße begegnet, ohne dass es dafür einen besonderen Anlass geben muss. Was im Moment selbstverständlich erscheint, kann einige Jahrzehnte später plötzlich interessant und sogar historisch wertvoll sein.

Reizvoll und sehr passend ist auch der Ausstellungsort. Das ehemalige Industriegebiet in Schöneweide gehörte einst zu den bedeutenden Industriestandorten Europas. Heute ist es einer der immer weniger werdenden Orte, an denen Berlin noch nicht ganz fertig ist. Hier ist immer noch einiges im Entstehen und an manchen Stellen bekommt man noch einen kleinen Eindruck davon, wie es hier früher ausgesehen hat.

Die Ausstellung ist bis zum 7. November 2026 im Art Lab der Reinbeckhallen zu sehen. Geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag von 12 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.

→ Webseite zur Ausstellung

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