Atelier Gardens – Von der Hitparade zum Gemüsebeet
Auch in scheinbar eher unattraktiven Gegenden Berlins kann man manchmal schöne Überraschungen erleben. So auch in dem auf den ersten Blick eher öden Gewerbegebiet an der Tempelhofer Oberlandstraße. Wer das Gelände der Hausnummern 26 bis 35 betritt, staunt über das viele Grün und die schön angelegten Beete zwischen den großen Hallen und diversen kleineren Gebäuden.
Das Gelände blicket auf eine lange Geschichte zurück. Schon 1913 entstand hier das erste Filmatelier, ein Glashaus, weil die Kameras jener Zeit auf viel Tageslicht angewiesen waren. Es folgten die Übernahme durch die Ufa, der Umbau für den Tonfilm und schließlich, 1964, die Gründung der Berliner Union-Film (BUFA), die den Studiobetrieb bis heute fortführt.
Gedreht wurden hier so einige, heute schon legendäre Filme und Fernsehproduktionen: »Der blaue Engel« mit Marlene Dietrich entstand 1929/30 in den Ateliers, »Emil und die Detektive« 1931, später auch Teile des Hollywood-Musicals »Cabaret«. Und drei Jahrzehnte lang, von 1969 bis in die 1990er Jahre, wurde in Studio 1 die »ZDF-Hitparade« produziert, jene Samstagabendshow, mit der Dieter Thomas Heck ganze Familiengenerationen vor die Fernseher lockte und die er stets mit »Hier ist Berlin!« begrüßte.
Heute firmiert das Areal als Atelier Gardens und beherbergt ein buntes Spektrum an Firmen und Institutionen. Neben den Filmschaffenden arbeiten hier Sozialunternehmerinnen, NGOs wie Fridays for Future und andere Organisationen, die sich dem nachhaltigen Wandel verschrieben haben.
Zumindest werktags ist das Gelände für jeden frei zugänglich. Montags bis freitags gibt es ab 12.30 Uhr im Café »CHNO« auf dem Gelände auch einen Mittagstisch mit jeweils einem vegetarischen und einem nicht-vegetarischen Gericht. Es empfiehlt sich, rechtzeitig da zu sein: Die Anzahl der Essen ist begrenzt, sie werden fertig von einer Neuköllner Kiezküche angeliefert. Ich fand es ganz lecker. Wer regelmäßig kommt, kann auch vorbestellen.
Ein echtes Highlight ist im Sommer das Freiluftkino Insel, das von Mai bis September auf dem Gelände zeigt, was das unabhängige und europäische Programmkino zu bieten hat – von Klassikern über Stummfilme bis zu aktuellen Dokumentationen, oft im Original mit Untertiteln. Aber auch sehr bekannte Kultfilme stehen gelegentlich auf dem Programm. Tickets kann man für 9,90 € online buchen.
Auch zu anderen Zeiten gibt es Veranstaltungen so z.B. in der Adventszeit einen Weihnachtsmarkt. Es lohnt sich gelegentlich die Programmvorschau anzuschauen. Natürlich werde ich auch in meinem Newsletter auf immer mal wieder auf Interessantes hinweisen.
Die Buslinie 246 hält direkt vor der Tür des Geländes. Haltestelle: Oberlandstr./Mitte
Wieder einmal hat sich meine Theorie bestätigt, dass es sich lohnt, auch mal einen Spaziergang in etwas weniger bekannte Gegenden zu machen. Fast überall gibt es etwas Spannendes zu entdecken.
