Ausstellung Bauhaus Fotografinnen

Bauhaus Fotografinnen

Im Museum für Fotografie wurde gerade eine Ausstellung eröffnet, die die Arbeit verschiedener Fotografinnen im Umfeld des Bauhauses genauer beleuchtet. Ich hatte bereits Gelegenheit, mir die Ausstellung anzuschauen, und kann einen Besuch dort sehr empfehlen.

Veranstaltet wird sie vom Bauhaus-Archiv, das wegen des Um- und Neubaus an der Klingelhöferstraße derzeit keine eigenen Ausstellungsräume hat. Kristin Bartels, die Kuratorin der Ausstellung, hat die umfangreichen Fotobestände des Archivs gesichtet und dabei zahlreiche Wieder- und Neuentdeckungen gemacht.

»Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen« zeigt rund 300 Fotografien von 29 Künstlerinnen. Manche der Bilder sind bekannt. Die Namen der Frauen dahinter jedoch oft nicht.

Ganz am Beginn der Ausstellung ist ein Lieblingsbild der Kuratorin zu sehen. Ein Selbstporträt von Grit Kallin-Fischer, das in vielem beispielhaft ist für die »Neue Frau« und das »Neue Sehen«: Eine junge Frau mit kurzem Haar, knappem Rock und Zigarette. Für die damalige Zeit ein Affront, denn Rauchen war für Frauen gesellschaftlich kaum akzeptiert.
Doch nicht nur das Motiv ist bemerkenswert. Kallin-Fischer hat sich im Stil des Neuen Sehens fotografiert. Sie liegt am Boden, diagonal ins Bild gerückt, von oben aufgenommen, mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten. Hier trifft vieles in einem einzigen Bild aufeinander, was die Ausstellung vermitteln will.

Fotografie war für viele Frauen dieser Zeit weit mehr als ein Nebenfeld. Sie bot die Chance auf künstlerische Freiheit und ein eigenes Einkommen. Gerade in der Weimarer Republik wurde die Kamera zu einem Instrument der Selbstermächtigung.
Das Bauhaus bot dafür ideale Bedingungen. Viele Studentinnen nutzten die neuen technischen Möglichkeiten und entwickelten eine eigenständige Bildsprache, die von ungewöhnlichen Perspektiven, Lichtstudien und experimentellen Verfahren geprägt war.

Die Ausstellung zeigt dieses Spektrum. Es reicht von Porträts und Architekturfotografie bis hin zu Fotogrammen, Collagen und sozialdokumentarischen Arbeiten. Gleichzeitig wird sichtbar, wie stark diese Künstlerinnen von strukturellen Bedingungen geprägt waren. In der von Männern dominierten Kunstwelt blieben viele ihrer Arbeiten lange unbeachtet oder wurden anderen zugeschrieben.

Die Schau bleibt nicht auf die Bauhauszeit beschränkt. Sie verfolgt auch die Lebenswege mancher Fotografinnen über die 1930er-Jahre hinaus. Viele von ihnen mussten Deutschland verlassen und setzten ihre Arbeit im Exil fort. Gezeigt werden auch Werke aus dem Umfeld des Institute of Design in Chicago, der amerikanischen Nachfolgeinstitution des Bauhauses (New Bauhaus).

Zum Schluss der Ausstellung treten drei zeitgenössische Positionen in einen Dialog mit den historischen Arbeiten und setzen die Tradition des »Neuen Sehens« auf ihre eigene Weise fort: Sinta Werner untersucht in ihren dreidimensionalen Fotografie-Objekten Architektur als fragiles Spiel aus Oberfläche und Spiegelung. Caroline Kynast richtet ihren Blick auf urbane Szenen und Mode aus ungewöhnlichen Perspektiven. Kalinka Gieseler arbeitet mit Collagen und Fotomontagen und verbindet eigene Aufnahmen mit Material aus digitalen Bildwelten zu neuen Bildkompositionen.

Noch bis zum 4. Oktober gibt es viel Spannendes zu entdecken. Es gibt auch ein vielfältiges Rahmenprogramm über die gesamte Laufzeit.

Das Museum für Fotografie befindet sich an der Jebensstraße 2, direkt am Bahnhof Zoo. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 12,– €.

Webseite zur Ausstellung

Webseite Bauhaus-Archiv

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