Kupferstichkabinett Bosporus Beats

Bosporus Beats

Konstantinopel, Byzanz, Istanbul – diese faszinierende Stadt am Bosporus hatte viele Namen. Seit Jahrhunderten zieht sie Menschen aus Europa an. Händler, Diplomaten und Reisende machten sich auf den Weg in die Metropole zwischen zwei Kontinenten.

Auch Künstler interessierten sich früh für die Stadt und ihre Kultur. Wie sie Istanbul wahrnahmen und darstellten, zeigt die Ausstellung »Bosporus Beats. Blicke auf Istanbul von 1500 bis 1800« im Kupferstichkabinett am Kulturforum.

Die Ausstellung spannt einen großen zeitlichen Bogen. Gezeigt werden Zeichnungen, Druckgrafiken und Bücher aus rund drei Jahrhunderten. Sie stammen überwiegend aus den reichen Beständen des Museums. Viele der Blätter dokumentieren das Interesse europäischer Künstler an der Hauptstadt des Osmanischen Reichs. Werke bekannter Künstler wie Albrecht Dürer, Rembrandt oder Daniel Chodowiecki stehen neben weniger bekannten Darstellungen. Gemeinsam vermitteln sie ein vielschichtiges Bild der Stadt.

Dabei macht die Ausstellung deutlich, dass diese Bilder nicht immer eine verlässliche Wirklichkeit zeigen. Einige Künstler haben Istanbul tatsächlich besucht und ihre Eindrücke vor Ort gesammelt. Andere kannten die Stadt nur aus Erzählungen oder aus älteren Darstellungen. Ein Beispiel ist Dürer, der nie selbst am Bosporus war und dennoch Motive aus der osmanischen Welt in seine Arbeiten aufnahm. Solche Bilder prägten dennoch über lange Zeit die Vorstellungen vieler Menschen in Europa.

Gerade darin liegt ein zentrales Thema der Ausstellung. Sie zeigt, wie stark der Blick auf Istanbul von Erwartungen, Fantasien und auch politischen Interessen beeinflusst war. Manche Blätter spiegeln echte Neugier und Bewunderung für die Kultur des Osmanischen Reichs. Andere transportieren Klischees oder dienten sogar gezielt der Propaganda. So entstand über Jahrhunderte hinweg ein Bild der Stadt, das oft mehr über die europäischen Betrachter verrät als über das tatsächliche Leben am Bosporus.

Auch einige wenige zeitgenössische Arbeiten sind in der Ausstellung vertreten. Sie sollen deutlich machen, dass auch heute unser Bild von der Türkei oft von Klischees und Vorurteilen geprägt ist. So richtig gut funktioniert das meiner Meinung nach aber nicht und wirkt etwas bemüht.

Die historischen Blätter selbst sind dagegen durchweg sehenswert. Viele der Grafiken sind erstaunlich detailreich und jedes einzelne Blatt lohnt einen genaueren Blick. Am Ende macht die Ausstellung Lust, diese faszinierende Stadt selbst einmal zu besuchen und sich ein eigenes Bild zu machen. Ich hatte schon zweimal das Glück, Istanbul zu besuchen, und habe die Stadt als äußerst eindrucksvoll erlebt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai am Kultuforum zu erleben. Der Eintritt kostet 8,- €

Webseite zur Ausstellung

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