Helmut Newton – Bühnen und Räume
Immer wieder gelingt es der Helmut Newton Foundation, das Werk dieses großen Fotografen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. So auch in der neuen Ausstellung »Rooms / Stages«, die den Raum und die Bühne in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt.
Das kommt nicht von ungefähr. Helmut Newton war ein großer Meister der Inszenierung. Nicht nur seine Modelle, sondern die gesamte Szenerie spielte in seinen Fotografien eine entscheidende Rolle. Bis ins kleinste Detail plante er die Gestaltung der Räume, in denen seine Bilder entstanden.
Das wird im zentralen Ausstellungsraum besonders deutlich. Die Besucher bewegen sich hier beinahe wie durch ein begehbares Pop-up-Buch. Überdimensionale Fotografien lassen die Motive aus Newtons Bildern förmlich in den Ausstellungsraum hineinwachsen. Der ganze Raum wird selbst zur Bühne.
Dabei wird deutlich, welche Bedeutung Hotelzimmer, Salons, Treppenhäuser oder Straßenszenen für Newtons Arbeiten hatten. Sie waren weit mehr als bloße Kulissen. Sie prägen die Atmosphäre der Bilder entscheidend mit. Newton verstand es meisterhaft, Menschen und Räume zu einer einzigen Inszenierung zu verbinden.
Was die Ausstellungen der Helmut Newton Foundation aber immer wieder besonders interessant macht, ist der Blick über Newtons Werk hinaus. Die Fotografien des großen Meisters werden nicht isoliert präsentiert, sondern in einen Dialog mit anderen künstlerischen Positionen gestellt. So auch diesmal.
Der zweite Teil der Ausstellung versammelt Arbeiten zeitgenössischer Fotografinnen und Fotografen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema »Rooms / Stages« auseinandersetzen.
Manche der gezeigten Arbeiten führen in private Wohnräume, Hotels oder öffentliche Gebäude. Andere entstehen im urbanen Raum oder auf tatsächlichen Theaterbühnen. Meist sind die Räume menschenleer und erzählen dennoch ihre eigenen Geschichten.
Besonders beeindruckend fand ich die Arbeiten von Karen Stuke. Seit mehr als drei Jahrzehnten fotografiert sie in Theatern und Opernhäusern. Mit einer Camera obscura belichtet sie ihre Aufnahmen während einer kompletten Aufführung. Was auf den ersten Blick wie ein abstraktes Gemälde wirkt, ist tatsächlich die Verdichtung eines ganzen Theaterabends zu einem einzigen Bild. Die Darsteller verschwinden dabei fast vollständig. Zurück bleiben Spuren von Bewegung und Licht. Das ist schon ziemlich faszinierend.
Ganz anders, aber ebenfalls sehr spannend, ist die Serie »Living Room« von Jana Sophia Nolle. Ausgangspunkt war ihre Begegnung mit der extremen sozialen Ungleichheit in San Francisco. Für ihre Fotografien rekonstruierte sie die Behausungen obdachloser Menschen in den Wohnzimmern wohlhabender Haushalte. Die sorgfältig eingerichteten Räume mit Designermöbeln und handgeknüpften Teppichen werden dadurch radikal verändert. Die Bilder wirken zunächst irritierend, entfalten aber gerade dadurch ihre besondere Kraft.
Nur zwei Beispiele, die zeigen, wie vielfältig »Rooms / Stages« ist. Auch wer glaubt, mit Helmut Newtons Werk nicht so viel anfangen zu können, wird hier trotzdem auf seine Kosten kommen.
»Rooms / Stages« ist bis zum 15. November 2026 in der Helmut Newton Foundation in der Jebensstraße 2 in Charlottenburg zu sehen.
Geöffnet ist dienstags, mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Montags bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 6 Euro.
