Der Ruf der Berge
Ein Ausstellungs- und Reisetipp: »Die Berge Tirols«. Dazu muss man derzeit gar nicht weit reisen, denn man findet sie gerade in Berlin-Dahlem. Das Museum Europäischer Kulturen in der Arnimallee 25 widmet ihnen eine neue Sonderausstellung, entstanden in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen, den Ötztaler Museen, der Universität Innsbruck sowie dem Österreichischen und dem Deutschen Alpenverein. Sie setzt sich mit den vielfältigen Beziehungen zwischen Menschen und Bergen auseinander.
Staatliche Museen zu Berlin
Das Leben in den Bergen prägt die Menschen, aber auch die Menschen prägen immer mehr die Berglandschaft. Deswegen geht es in der Ausstellung nicht nur um heile Bergidylle, sondern auch um aktuelle Probleme wie Klimawandel und Übertourismus. Erzählt wird von Lawinensprengungen und Gletschermüll, vom Almkranz und vom Schluchtenteufel – Geschichten, die mal schön, mal schaurig, aufregend oder berührend sind.
Der Tourismus hat eine lange Tradition in Tirol, und gerade für die Berliner ist die Region schon lange ein beliebtes Reiseziel. Um 1900 grassierte in Berlin sogar eine regelrechte Alpenbegeisterung: Im Restaurant des Zoologischen Gartens und im Sportpalast fanden große Alpenbälle statt, bei denen laut Kuratorin Franka Schneider mitunter über dreitausend Menschen an einem Abend feierten, mit Rutschbahn, nachgebauten Bergen und Fotostationen. Die Schuhplattlergruppe der Berliner Sektion des Deutschen Alpenvereins war dabei ein fester Bestandteil, und der Erlös der Bälle floss in den Bau von Hütten und Wegen. Das bekannteste Ergebnis dieser Verbindung ist die »Berliner Hütte«, bereits 1879 im Zillertal eröffnet und eine der ältesten Berghütten der Alpen.
Historische Objekte treffen in der Schau auf zeitgenössische Kunstwerke, Filme, Lieder und Alltagsgegenstände, ergänzt durch Interviews mit Menschen aus Berlin und Tirol. Statt des klassischen Blicks vom Tal auf schroffe Gipfel wählt die Ausstellung dabei oft die Vogelperspektive, den Blick von oben auf die Landschaft. An mehreren Stationen kann man selbst aktiv werden: Zirbelholz und Flachs lassen sich anfassen und riechen, in gemalten Fantasiebergen kann man sich fotografieren, und an einer Bastelstation entstehen eigene Bergcollagen.
Ein Audioguide auf Deutsch und Englisch begleitet durch die Räume, und Kinder zwischen sechs und zehn Jahren erkunden die Ausstellung auf einem eigenen Wanderpfad. Die Ausstellung macht Lust auf die Berge, regt aber ebenso zum Nachdenken über deren Zukunft an, und ist dabei sehr abwechslungsreich gestaltet.
Die Ausstellung kann man noch bis April 2027 besuchen. Der Eintritt kostet 10,- €.
