Die stille Kraft der Käthe Kollwitz
Käthe Kollwitz ist eine Meisterin der leisen Töne. Das macht eine neue Sonderausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin-Charlottenburg derzeit eindrucksvoll deutlich.
Gezeigt werden ausgewählte Werke aus der Kölner Privatsammlung von Ute Kahl. »Käthe Kollwitz – Stille Kraft« ist ein treffender Titel, denn die gezeigten Bilder strahlen tatsächlich eine besondere Kraft aus. Nicht die kämpferische, wie sie auf einigen ihrer bekannten Plakate zu sehen ist, sondern eine stille, emotionale Kraft, die den Betrachter unmittelbar berührt.
Die rund vierzig Zeichnungen und Druckgrafiken zeigen, wie sicher Kollwitz Gefühle mit einfachsten Mitteln darstellen konnte. Wenige Linien, eine leicht veränderte Körperhaltung oder ein Schatten genügen, um Nähe, Sorge oder Erschöpfung spürbar zu machen. Die Arbeiten zeigen überwiegend Frauen – viele aus der Arbeiterschicht, deren Alltag Kollwitz über Jahrzehnte aufmerksam beobachtet hat. Ihre Zeichnungen wirken nie distanziert. Sie vermitteln Respekt gegenüber den Menschen, die sie porträtiert, und eine bemerkenswerte Genauigkeit im Blick.
Zu den eindrucksvollsten Blättern gehört »Frau hinter Gittern«. Frauen hatten damals wenig Rechte und landeten schnell im Gefängnis. Beispielsweise auch wegen Ehebruchs. Das Bild wurde für einen Buchtitel verwendet.
Viele Werke beschäftigen sich mit schwierigen Lebenssituationen der dargestellten Menschen: Müdigkeit, Belastung, Trauer sind Motive, die in ihren Bildern immer wieder von Bedeutung sind.
Eindrücklich auch der Entwurf zu »Die Mütter« von 1918, entstanden unter dem Eindruck des Todes ihres Sohnes Peter. Die enge Umarmung, die hier dargestellt ist, vermittelt eine Mischung aus Halt und Verlust, ohne Pathos, aber von großer Intensität.
Ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1909 gefällt mir besonders gut. Zurückgelehnt und mit geschlossenen Augen zeigt sich die Künstlerin in einem Moment der Ruhe und Entspannung.
Einige der gezeigten Arbeiten sind Vorstufen zu Blättern und Drucken, die in der ständigen Ausstellung zu sehen sind. Die Sonderschau ist damit eine schöne Ergänzung zur Dauerausstellung – und ein guter Anlass, beide zusammen zu betrachten. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken.
Noch bis zum 18. Januar 2026 ist die Ausstellung täglich von 11 bis 18 Uhre geöffnet. Nur an Heiligabend und Silvester ist geschlossen. Der Eintritt kostet 8,- €
