Entartete Kunst im Bombenschutt

Entartete Kunst im Bombenschutt

Bei Grabungen für den U-Bahnbau am Roten Rathauses machten Archäologen im Jahr 2010 einen erstaunlichen Fund. In einem mit Bombenschutt gefüllten Keller kamen 16 Skulpturen der klassischen Moderne ans Licht, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen galten.

Die Werke waren 1937 im Zuge der Aktion »Entartete Kunst« aus Museen in verschiedenen deutschen Städten beschlagnahmt worden und später in einem Depot des Reichspropagandaministeriums in der damaligen Königstraße 50, der heutigen Rathausstraße, zwischengelagert. Als das Gebäude 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, verbrannten wahrscheinlich Hunderte Gemälde. Nur einige Skulpturen aus Bronze, Stein oder Terrakotta überstanden den Feuersturm unter den Trümmern und blieben dort jahrzehntelang verborgen.

Nach Jahren auf Wanderschaft durch verschiedene deutsche und internationale Ausstellungen kehren die 16 Werke nun erstmals wieder gemeinsam nach Berlin zurück. Gezeigt werden sie in einer ersten Sonderausstellung im noch recht neuen Archäologiemuseum PETRI Berlin. Ein passender Ort für diese besonderen Ausstellungsstücke. Denn es sind nicht nur bedeutende Kunstwerke, sondern auch Zeitzeugen.

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Die geborgenen Werke tragen schwere Spuren ihrer besonderen Geschichte. Manche sind zerbrochen, andere haben sich im Feuer verformt oder ihre Oberfläche verloren. Einige zeigen bis heute Brandrisse oder Verfärbungen. Restauratorinnen und Restauratoren haben sich entschieden, die Skulpturen nicht vollständig zu rekonstruieren. Sie sollen ihre Wunden behalten, als sichtbare Zeugnisse einer zerstörten Epoche. Gerade diese Mischung aus künstlerischem Ausdruck und historischer Verletzlichkeit macht den sogenannten »Berliner Skulpturenfund« so besonders.

Die Schau zeigt Arbeiten von Emy Roeder, Marg Moll, Edwin Scharff, Will Lammert, Naum Slutzky und anderen Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke einst verfemt und vernichtet werden sollten. Heute begegnet man ihnen als stummen Zeugen einer Zeit, in der Kunst zum Ziel politischer Zerstörung wurde und zugleich als Symbol für das Überdauern des Menschlichen inmitten der Katastrophe.

Ein sehr informative Broschüre zur Ausstellung informiert über die einzelnen Künstler und zeigt Fotos von den Kunstwerken im Originalzustand. Sie liegt zum kostenlosen mitnehmen aus.

Die Ausstellung wird voraussichtlich für etwa ein Jahr im PETRI Berlin zu sehen sein. Was danach mit den Skulpturen geschieht, ist noch offen. Ich fände es schön, wenn das Ensemble zusammen bliebe, als eine Art Schicksalsgemeinschaft, die durch Geschichte, Zerstörung und Wiederentdeckung miteinander verbunden ist.

Geöffnet ist PETRI-Berlin von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 6,- €.

Webseite zur Ausstellung

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