Farbiger Herbst in Britz
Seit dieser Woche ist der Sommer offiziell vorbei und der Herbst hat begonnen. So schön der Sommer auch war, auch der Herbst hat seine schönen Seiten. Eine davon ist für mich auf jeden Fall das jährliche »Dahlienfeuer« im Britzer Garten.
Auf rund 2.000 Quadratmetern blühen dort derzeit rund 3.800 Dahlien in 200 unterschiedlichen Sorten. Wirklich ein Feuerwerk an verschiedenen Farben und Formen. Von einfachen, ungefüllten Blüten reicht die Palette bis zu großen Balldahlien und den etwas skurril aussehenden Hirschgeweihdahlien. Insgesamt sind im Britzer Garten alle 15 offiziellen Dahlienklassen vertreten.
In diesem Jahr wurden die Dahlien außerdem nach Blütenfarben auf den verschiedenen Flächen angeordnet. Besonderer Wert wird auch auf Nachhaltigkeit gelegt. Zwischen den Dahlien finden sich Flächen mit Süßkartoffeln und anderen Pflanzen. Hier sind im nächsten Jahr die Frühjahrsblüher zu sehen. Durch das neue Konzept können deren Blumenzwiebeln so erstmals im Boden verbleiben und müssen nicht jedes Jahr neu gesteckt werden.
Die Dahlie stammt ursprünglich aus Mexiko und Mittelamerika. In Europa tauchte sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf. 1791 beschrieb der spanische Botaniker Antonio José Cavanilles die Pflanze und benannte sie nach dem schwedischen Botaniker Anders Dahl. Was bei uns heute vor allem als prächtige Zierblume bekannt ist, hatte ursprünglich allerdings einen ganz anderen Zweck. Die Azteken kultivierten Dahlien auch wegen ihrer stärkehaltigen Knollen als Nahrungspflanze. Die Knollen sind tatsächlich essbar und werden in Teilen Mexikos bis heute verwendet. In Europa setzte sich die Dahlie dagegen als Zierpflanze durch.
Die Pflanzen sind außerordentlich variabel und können durch Kreuzungen und Mutationen immer wieder neue Formen und Farben hervorbringen. Es können sich sogar eigenständig neue Sorten bilden. Solche Farbmutationen werden als »Sports« bezeichnet und können sich über mehrere Generationen erhalten. So erklärt sich zumindest ein Teil der unglaublichen Vielfalt, die man beim Dahlienfeuer bestaunen kann.
Wer sich die Blumen nicht nur anschauen, sondern auch etwas über sie erfahren möchte, kann das Dahlienfeuer am Wochenende auch bei einer Führung kennenlernen. Die rund 90-minütige Führung durch den Britzer Garten findet bis in den Herbst hinein regelmäßig am Wochenende statt. Dabei geht es nicht nur um die Dahlien, sondern auch um die Geschichte des Parks, die Entstehung der Bundesgartenschau und den großen See. Die Führung kostet 9,50 Euro, ermäßigt 7 Euro, jeweils zuzüglich Parkeintritt.
Wer lieber auf eigene Faust unterwegs ist und noch ein spielerisches Element dazu möchte, kann sich vorher ein kleines Dahlien-Bingo herunterladen. Dabei gilt es, verschiedene Dahlien und andere Pflanzen zu entdecken, Fragen zu beantworten oder bestimmte Motive mit dem Handy zu fotografieren. Eine nette Möglichkeit, sich die Blütenschau einmal etwas genauer anzusehen. Die Bingo-Karten gibt es als PDF zum kostenlosen Download.
Der Britzer-Garten hat viele Zugänge. Am schnellsten kommt man über die Eingänge Sangerhauser Weg oder Tauernallee zum Dahlienfeuer. Beide liegen direkt an der Sonderschaufläche. Mit der U6 bis Alt-Mariendorf und anschließend mit dem Bus 179 bis zur Haltestelle »Sangerhauser Weg« kommt man gut dorthin.
Und natürlich lohnt sich der Besuch des Britzer Gartens auch unabhängig vom Dahlienfeuer. Die rund 90 Hektar große Parkanlage bietet reichlich Platz für einen ausgedehnten Spaziergang und viele weitere Gärten, Wiesen und Attraktionen.
Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, kann beispielsweise den Kneipp-Gesundheitsparcours ausprobieren. Die verschiedenen Stationen sind über den Park verteilt und durch ein Leitsystem miteinander verbunden. Dazu gehören unter anderem eine Wassertretstelle, ein Armtauchbecken und ein kalter Knieguss.
Dem Kneipp-Parcours habe ich übrigens auch ein eigenes Kapitel in meinem Buch »Oasen der Ruhe in Berlin« gewidmet (ein wenig Werbung muß sein). Denn der Britzer Garten ist für mich nicht nur wegen seiner großen Blütenschauen einen Besuch wert. Hier lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise etwas Abstand vom Berliner Alltag gewinnen.
Das Dahlienfeuer selbst ist noch bis zum ersten Frost zu sehen. Besonders schön ist es jetzt, wenn die ersten herbstlichen Farben dazukommen und die Dahlien noch einmal zeigen, was sie können.
Der Britzer Garten ist täglich geöffnet. Die personell besetzten Kassen öffnen um 9 Uhr. Wer schon früher in den Park möchte, kann mit einer Jahreskarte oder einem vorab gekauften Online-Ticket die automatisierten Eingänge bereits ab 7 Uhr nutzen. Eine Jahreskarte (40,- €) lohnt sich meiner Meinung nach übrigens sehr. Damit kann man auch die wunderbaren „Gärten der Welt“ in Marzahn so oft besuchen wie man möchte.

