Gedenken in Ravensbrück
Heute einmal ein etwas anderer Ausflugstipp.
In diesem Jahr am 27. Januar, jährt sich zum 81. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Dieses Datum wurde von den Vereinten Nationen offiziell zum internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust erklärt.
Auschwitz ist vermutlich das Konzentrationslager, das den meisten Menschen bekannt ist. Daneben gab es jedoch zahlreiche weitere große und kleine Lager im gesamten Herrschaftsgebiet des nationalsozialistischen Deutschlands. Einige davon lagen nicht weit von Berlin entfernt. Dazu gehört auch das Konzentrationslager Ravensbrück, das zwischen 1939 und 1945 als größtes Frauenkonzentrationslager auf deutschem Boden betrieben wurde.
Ravensbrück liegt bei Fürstenberg an der Havel, rund 90 Kilometer nördlich von Berlin. Das Gelände des ehemaligen KZ befindet sich in einer landschaftlich sehr reizvollen Umgebung direkt am Schwedtsee. Wasser, Wald und Weite wirken auf den ersten Blick friedlich und beinahe idyllisch. Gerade dieser starke Kontrast zwischen der schönen Landschaft und den schrecklichen historischen Ereignissen macht einen Besuch hier so eindringlich.
Das weitläufige Areal ist heute eine Gedenkstätte. Erhalten sind unter anderem Teile der Lagermauer, das ehemalige Zellengebäude sowie das Krematorium. Mehrere Ausstellungen befassen sich intensiv mit der Geschichte des Ortes und den Biografien der Häftlinge. Besonders eindrucksvoll sind die persönlichen Zeugnisse. Briefe, Fotografien und Erinnerungsberichte machen deutlich, dass hinter jeder Zahl ein individuelles Leben stand. Auch das direkt neben dem Lager gelegene Gelände der ehemaligen Siemens-Rüstungsfabrik kann besichtigt werden. Hier mussten viele Inhaftierte Zwangsarbeit leisten.
Ein Besuch in einer solchen Gedenkstätte ist keine leichte Erfahrung. Ich finde trotzdem, jeder sollte mindestens einmal einen solchen Ort besucht haben, gerade auch junge Menschen. Entsprechend viele Schulklassen sind in der Ausstellung zu sehen. Leider scheinen nicht alle gut auf einen solchen Besuch vorbereitet zu sein. Es ist befremdlich bis erschreckend zu beobachten, wie manche Schülerinnen und Schüler herumalbern oder Desinteresse zeigen. Die begleitenden Lehrkräfte greifen dabei nicht immer ein.
Viele andere Besucherinnen und Besucher zeigen sich dagegen sehr bewegt und interessiert. Bei meinem Besuch war allerdings kein Aufsichtspersonal oder direkte Ansprechperson auf dem Gelände zu sehen. Es gibt ein Besuchsinformationszentrum, das jedoch nur eingeschränkte Öffnungszeiten hat. Dort kann man sich auch einen Audioguide ausleihen.
Wie intensiv man sich mit der Geschichte beschäftigen möchte, kann jeder selbst entscheiden. Schon ein Spaziergang über das weitläufige Außengelände macht die Dimension dieses Menschheitsverbrechens deutlich, auch wenn auf den ersten Blick scheinbar gar nicht so viel zu sehen ist.
Das Außengelände ist im Winter täglich von 9 bis 18 Uhr zugänglich. Im Sommer von 9 bis 20 Uhr. Die Ausstellungen sind von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Fürstenberg/Havel ist bequem mit dem Regionalzug RE 5 von Berlin aus erreichbar. Vom Bahnhof führt ein ausgeschilderter Fußweg zur Gedenkstätte. Die Gehzeit beträgt etwa 25 Minuten.
Fürstenberg liegt zwischen mehreren Seen und ist im Sommer ein Treffpunkt für Wassersportler. Im Winter ist es dagegen sehr ruhig und beinahe verschlafen. Das hat jedoch seinen eigenen Reiz und passt gut zu der melancholischen und nachdenklichen Stimmung, die ein Besuch dieser Gedenkstätte mit sich bringt.
