Havelluft und Großstadtlichter

Stadt, Land, Secession

Die Ausstellung »Havelluft und Großstadtlichter« im Bröhan Museum führt in die Zeit um 1900, als sich Berlin und sein Umland durch Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und neue Verkehrsmittel grundlegend veränderten. Stadt und Land rückten näher zusammen, nicht nur geografisch, sondern auch im Lebensgefühl. Genau dieses Spannungsfeld bildet den roten Faden der Schau.

Gezeigt werden Gemälde und Grafiken von Künstlern der Berliner Secession, ergänzt durch zeitgenössische Fotografien und ausgewählte Objekte. Diese Kombination erweist sich als besonders wirkungsvoll. Malerei und Fotografie treten in einen Dialog und verdeutlichen auf unterschiedliche Weise, wie die Menschen diese Zeit wahrnahmen. Häufig dienen die Fotografien auch als visuelle Bestätigung der gemalten Motive.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Großstadtleben. Werke von Hans Baluschek, Otto Nagel und weiteren Künstlern zeigen Straßenszenen, Arbeiter, Hinterhöfe und Bahnanlagen. Die Bilder machen die Enge der Wohnverhältnisse, den Lärm und die sozialen Spannungen der wachsenden Metropole sichtbar. Berlin erscheint als Ort des Aufbruchs, aber auch als Stadt, in der viele Menschen unter schwierigen Bedingungen lebten.

Das führte dazu, dass die Sehnsucht nach frischer Luft und Grün immer größer wurde und es viele ins Umland zog. Wunderschöne Landschaftsdarstellungen von Karl Hagemeister und Walter Leistikow entstanden in dieser Zeit. Sie zeigen beliebte Ausflugsziele wie den Grunewald oder den Schwielowsee.

Auch innerstädtische Grünanlagen und Parks gewannen zunehmend an Bedeutung. Der neu angelegte Humboldthain wurde gerade für den dicht besiedelten Wedding zu einem wichtigen Erholungsort. Große Bier- und Kaffeegärten boten Speisen und Getränke an. Da das Budget vieler Menschen sehr begrenzt war, waren Angebote wie »Hier können Familien Kaffee kochen« besonders beliebt.

Der Wechsel zwischen Großstadt und Landschaft, zwischen sozialer Realität und Natursehnsucht zieht sich konsequent durch die Räume. Die Werke der Berliner Secession zeigen, wie intensiv sich die Künstler mit den Veränderungen ihrer Zeit auseinandersetzten.

Die Ausstellung ist nicht nur kunsthistorisch, sondern auch stadtgeschichtlich sehr interessant.
Zugleich ist sie eine der vorerst letzten Gelegenheiten, diese Werke im Bröhan Museum zu sehen. Ab 2027 wird das Haus für längere Zeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Auf YouTube kann man sich eine Online Führung durch die Ausstellung anschauen. Eine schöne Einführung um einen kleinen Eindruck von der Ausstellung zu bekommen.


Geöffnet ist das Bröhan Museum dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 9,- €

→ Webseite zur Austellung

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