Josef Kaiser – Bauen für die DDR
Einige seiner Bauten wie das Kino International oder das Café Moskau kennt fast jeder Berliner, seinen Namen wahrscheinlich eher wenige.
Die Rede ist von Josef Kaiser (1910–1991), einem der prägenden Architekten der DDR, dem die Berlinische Galerie nun eine interessante Ausstellung widmet. »Josef Kaiser. Bauen für die DDR« zeigt anhand von Zeichnungen, Fotografien, Filmen und Modellen sein Leben und Werk und stellt dabei auch die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen seiner Arbeit in den Mittelpunkt.
Kaiser studierte an der Technischen Hochschule in Prag und sammelte erste Berufserfahrungen in den 1930er-Jahren. Während der NS-Zeit arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros und war Mitglied der NSDAP. Nach dem Krieg wurde er recht schnell entnazifiziert. Seine frühen beruflichen Erfahrungen sollten seiner späteren Karriere offenbar nicht im Wege stehen.
Ganz geradlinig verlief sein Weg anschließend allerdings nicht. Kaiser zog es zunächst weg von der Architektur auf die Bühne. In Dresden absolvierte er eine Gesangsausbildung und arbeitete anschließend unter anderem als Tenor am Berliner Theater am Nollendorfplatz. Erst 1951 kehrte er endgültig zur Architektur zurück und begann seine Karriere in der DDR.
Interessant ist auch, warum Kaiser sich für die DDR entschied. Er wollte vor allem Architektur machen und größere Projekte verwirklichen. Als Architekt im Westen hätte er eher mit den Wünschen einzelner privater Bauherren zu tun gehabt. Einfamilienhäuser zu planen, reizte ihn wenig. In der DDR sah er dagegen die Möglichkeit, an großen Bauvorhaben mitzuwirken und als Architekt tatsächlich städtebauliche Dimensionen zu gestalten.
Und tatsächlich boten sich ihm solche Möglichkeiten. Kaiser wurde bald an großen staatlichen und kommunalen Bauvorhaben beteiligt. Besonders bekannt sind seine Bauten an der Karl-Marx-Allee. Der zweite Bauabschnitt zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz entstand ab Ende der 1950er-Jahre und steht für einen deutlichen Stilwechsel in der DDR-Architektur. Statt monumentaler Fassaden entstanden moderne, großzügige Bauten mit viel Glas und klaren Formen.
Kaiser war dabei nicht allein verantwortlich. Das Kino International entstand gemeinsam mit Heinz Aust, das Hotel Berolina mit Günter Kunert und das Restaurant Moskau, heute Café Moskau, mit Horst Bauer. Zusammen bilden die Bauten ein Ensemble, das heute zu den interessantesten Beispielen der modernen DDR-Architektur gehört.
Kaiser arbeitete mit einem festen Kollektiv und trat häufig als dessen Leiter auf. In der DDR wurde bei der Architektur zunehmend die Leistung des Kollektivs betont. Gebäude entstanden offiziell nicht als Werk eines einzelnen genialen Architekten, sondern als gemeinschaftliche Leistung verschiedener Werktätiger. Sicher auch ein Grund, warum der Name Josef Kaiser einer breiten Öffentlichkeit heute nicht so bekannt ist.
Umso interessanter, dass sein Werk durch diese Ausstellung mehr ins Licht gerückt wird. Da die Berlinische Galerie den kompletten Nachlass des Architekten übernommen hat, ist damit zu rechnen, dass es auch in Zukunft noch weitere spannende Forschungserkenntnisse geben wird. Diese Ausstellung ist ein guter Anfang.
Die Ausstellung »Josef Kaiser. Bauen für die DDR« ist noch bis zum 1. Februar 2027 in der Berlinischen Galerie zu sehen. Geöffnet ist sie Mittwoch bis Montag von 10 bis 18 Uhr, dienstags ist geschlossen. Der Eintritt kostet 12 €, ermäßigt 7 €.






