Liebermann ganz zart
Regelmäßige Leser des Blogs haben es vielleicht schon bemerkt, es zieht mich immer wieder an den Wannsee in die Liebermann-Villa. Als Ausflugsziel ist sie eigentlich immer richtig, im Moment aber ganz besonders, läuft doch dort aber auch eine besonders interessante Sonderausstellung.
Gezeigt werden Pastelle von Max Liebermann, eine Werkgruppe, die im Gegensatz zu seinen Gemälden viel weniger bekannt ist und nur selten zu sehen ist. Viele der Blätter stammen aus Privatsammlungen und wurden für diese Schau extra ausgeliehen.
So lernt man Liebermann noch einmal von einer anderen, irgendwie weicheren Seite kennen. Die letzte Ausstellung, die sich allein seinen Pastellen widmete, liegt fast hundert Jahre zurück, sie fand 1927 zu seinem 80. Geburtstag statt. Zur Pastellkreide griff er ohnehin erst spät, angeregt von Edgar Degas, und richtig produktiv wurde er darin während seiner Sommer in den Niederlanden. Dort entstand unter anderem die bekannte Serie der badenden Knaben, festgehalten mit einem lockeren, skizzenhaften Strich, der viel unmittelbarer wirkt als seine durchkomponierten Ölbilder.
Auch in den Pastelle taucht der Garten der Villa immer wieder auf, viele Blätter sind direkt dort entstanden. Besonders schön, sie hier direkt vor Ort zu erleben.
Dazu kommen Strandszenen aus Holland, Ausflügler in Gartenlokalen, ein Porträt seiner Enkelin und immer wieder seine Dackel, denen er sich mit sichtlicher Zuneigung widmete.
Weil die Werke sehr lichtempfindlich sind, ist es in den Ausstellungsräumen gedämmt, bei Tageslicht würden die Pastelle nur wenige Stunden im Jahr überhaupt gezeigt werden können. Ein Grund mehr, sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen.
Die Ausstellung »Im Fokus. Liebermanns Pastelle – Eine Welt in Kreide« ist bis zum 21. September zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis montags. 10–18 Uhr. Der Eintritt kostet 12,- €
Der Villa Liebermann ist auch ein Kapitel und sogar das Titelbild in meinem Buch Oasen der Ruhe in Berlin gewidmet.
