Lygia Clark
Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv und ist nicht mehr aktuell.

Lygia Clark in der Neuen Nationalgalerie

Die Neue Nationalgalerie in Berlin zeigt bis zum 12. Oktober 2025 die erste große Retrospektive der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark in Deutschland. Mit rund 150 Werken gibt die Ausstellung einen umfassenden Überblick über ihr Schaffen von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre.

Die Schau ist chronologisch aufgebaut und zeigt, wie sich Clarks Werk von formal-abstrakter Kunst zu einem interaktiven und später sogar therapeutischen Ansatz entwickelt hat. Ein zentrales Merkmal ihrer Arbeit ist die Beteiligung des Publikums. Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur schauen, sondern selbst aktiv werden. Für viele ihrer Werke wurden Repliken angefertigt, mit denen man in der Ausstellung interagieren darf – und soll.

Besonders zugänglich sind die in den 1960er-Jahren entstandenen „Bichos“ – faltbare Metallskulpturen, die sich durch Gelenke immer wieder neu formen lassen. Diese skulpturalen Objekte können durch Bewegung verändert werden, wodurch sich ihre Form und ihre Wirkung ständig verändern. Clark verstand diese Werke als lebendige Dialogpartner – nicht als abgeschlossene Kunstobjekte, sondern als offene Prozesse.

An weiteren Stationen in der Ausstellung kann man Masken aufsetzen, mit ungewöhnlichen Materialien experimentieren oder sensorische Reize erkunden. Der eigene Körper wird dabei selbst zum Medium. Viele der Arbeiten fordern zur aktiven Auseinandersetzung auf – mit sich selbst, mit dem Raum und auch mit anderen Menschen. Diese intensive Einbindung des Publikums unterscheidet Clarks Arbeiten von klassischen Museumserlebnissen.

Die Ausstellung bietet damit auch für Familien mit Kindern einen ungewöhnlichen Zugang zur Kunst. Wer sich auf die interaktiven Elemente einlässt, kann Kunst nicht nur betrachten, sondern im wahrsten Sinne begreifen. Ein kostenloses Begleitheft erleichtert den Einstieg..

Gegen Ende ihres Lebens wandte sich Lygia Clark bewusst vom klassischen Kunstbetrieb ab. Sie arbeitete mit psychisch erkrankten Menschen und sah sich selbst nicht mehr als Künstlerin, sondern als „Therapeutin der Sinne“. Ihre Werke wurden zu Werkzeugen für Wahrnehmung, Beziehung und Heilung. Diese Haltung durchzieht auch die spätere Phase ihres Schaffens, die in der Ausstellung nachvollziehbar gemacht wird.

Die Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie bringt die Besucherinnen und Besucher in direkten Kontakt mit einem Werk, das den Begriff von Kunst ungewöhnlich erweitert. Es geht um Erfahrung, Beziehung und Selbstwahrnehmung – und um die Kraft der Kunst, Verbindung zu schaffen. Wer sich darauf einlässt, erlebt bereichernde Ausstellung.

📍 Ort: Neue Nationalgalerie, Berlin

📅 Laufzeit: bis 12. Oktober 2025

🎫 Eintritt: 14 Euro

🌐 Mehr Infos: www.smb.museum/neue-nationalgalerie

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