Magische Insel der Träume
Heute mal ein kombinierter Buch- und Ausflugstipp.
Vor kurzem erschien das neue Buch von Florian Illies, der mit seinen erzählerischen Sachbüchern über Caspar David Friedrich und Thomas Mann in den letzten Jahren sehr erfolgreich war.
In seinem neuen Buch »Träume aus Feuer« geht es um den Alchimisten Johannes Kunckel, der im Jahr 1685 vom Großen Kurfürsten die Pfaueninsel zum Geschenk bekam und dort eine Glaswerkstatt errichtete, in der er wunderschönes rubinrotes und blaues Glas produzierte.
Dem Kurfürsten wäre es natürlich lieber gewesen, wenn es seinem Alchimisten gelungen wäre, Gold herzustellen. Doch Kunckel war schon damals Wissenschaftler genug, um zu erkennen, dass das nicht möglich ist. Aber auch das von ihm perfektionierte Rezept zur Herstellung des Rubinglases brachte dem Kurfürsten letztlich Geld ein. Das farbige Glas war an den königlichen Höfen Europas sehr beliebt. Mit den auf der Pfaueninsel hergestellten Glasperlen wurde zudem in Afrika rege Handel betrieben. Leider auch Sklavenhandel. Einige der seltnen Glaserzeugnisse von der Pfaueninsel kann man im Stadtmuseum im Ephraim Palais bestaunen.
Florian Illies gelingt es meisterhaft, Geschichte in Geschichten zu verwandeln. Er hält sich dabei an die historischen Fakten, muss sich manches aber natürlich auch zusammenreimen, denn es gibt nicht sehr viele erhaltene Unterlagen aus dieser Zeit. In erster Linie waren es wohl preußisch akkurat abgelegte Rechnungen, die ihm bei seinen Recherchen sehr geholfen haben.
Neben den anschaulichen Schilderungen der historischen Ereignisse und der damals handelnden Personen spielt die Beschreibung der Insel eine mindestens ebenso wichtige Rolle in dem Buch. Zu allen Jahreszeiten hat der Autor sie besucht: vom eiskalten Winter, in dem Kunckel sein Eiland zum ersten Mal betritt, bis zu heißen Sommertagen mit strahlend blauem Havelwasser und üppig grüner Vegetation.
Natürlich hat die Insel ihr Aussehen seitdem erheblich verändert. Das heute so bekannte Schloss entstand erst rund hundert Jahre später. Überhaupt war die Insel damals überwiegend von Kaninchen bevölkert.
Außer einem Gedenkstein im Norden der Insel erinnert heute eigentlich nichts mehr auf der Insel an Johannes Kunckel und seine Zeit. Dennoch: Wer die Insel kennt, spürt beim Lesen viel von der ganz besonderen Magie, die sie ausstrahlt und die auch heute noch präsent ist. Auch deswegen hat es die Insel auch als Ruhe-Oase in mein Buch geschafft.
Und damit sind wir natürlich beim naheliegenden Ausflugstipp für das Wochenende:
Ab auf die Insel! Die Natur entfaltet dort gerade jetzt ihre ganze Pracht. Alleine im Rosengarten blühen mehr als 1000 Rosen. Am besten besorgst du dir das Buch und suchst dir ein stilles Plätzchen, um es direkt vor Ort zu lesen.
Vielleicht unter einer der alten Eichen, die vermutlich schon zu Kunckels Zeiten dort gestanden haben. Sie könnten sicherlich einiges Spannendes erzählen. Vielleicht haben sie Florian Illies sogar die eine oder andere Geschichte zugeflüstert.
Gut ausgegangen ist Kunckels Inselleben übrigens nicht. Seine Träume aus Feuer gingen schließlich in eben diesem auf.
Doch auch in späteren Zeiten sind auf der Insel immer wieder neue Träume ihrer Bewohner entstanden und auch wieder vergangen.
Die Fähre kostet 6,- €. Fährtickets gibt es auch am Automaten vor Ort, allerdings nur per Kartenzahlung. Das Schiff verkehrt täglich zwischen 10 und 18 Uhr. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Einen Plan der Insel gibt es als Download. Da ist auch der Standort des Kunckel-Gedenksteins eingetragen.
Das spannend und gut zu lesende Buch ist im Pfaueninsel-Verlag (wo sonst) erschienen und kostet 20,- €. Es ist überall im Buchhandel erhältlich.
