Mampe – Schnapsladen mit Geschichte
Ich bin kein Schnapstrinker (vielleicht mal ein Eierlikörchen), aber ich interessiere mich für traditionsreiche Berliner Unternehmen. So wie die Manufaktur Mampe, wahrscheinlich die bekannteste Berliner Spirituosenmarke.
Der eigentliche Beginn der Firmengeschichte liegt allerdings im pommerschen Stargard. Dort entwickelte 1831 der Sanitätsrat Carl Mampe einen Magenbitter, der gegen Cholera helfen sollte und in Apotheken verkauft wurde.
Gegen Cholera half der Schnaps wohl nicht wirklich, aber als Spirituosenfabrik wurde Mampe recht erfolgreich. Der Gründer übersiedelte nach Berlin und übergab seine Rezepte später an seine Stiefbrüder, die sich allerdings zerstritten und getrennte Wege gingen.
Auch dank origineller Werbeideen gelang es einem der Brüder, den Berliner Betrieb zu einem florierenden Unternehmen auszubauen. Besonders in den 1920er Jahren waren Mampes Getränke im wahrsten Sinne des Worts in aller Munde. Markenzeichen war der weiße Elefant, und sogar echte Elefanten aus dem Berliner Zoo wurden für Werbekampagnen genutzt.
Der Zweite Weltkrieg und die Berliner Teilung setzten der Erfolgsgeschichte langsam ein Ende. Standorte gingen verloren, das Unternehmen musste immer wieder umziehen, und die einst so präsente Marke geriet nach und nach in Vergessenheit. Erst 2012 kehrte Mampe auf den Markt zurück.
Nach eigenen Angaben war die Marke über 40 Jahre ohne feste Heimat, bis sie eine neue fand: in einem ehemaligen Sudhaus einer Weißbierbrauerei mitten im Kreuzberger Bergmannkiez. Am Tempelhofer Berg 6 betreibt Mampe heute seine Manufaktur.
In den hohen Räumen erinnert noch viel an die ehemalige Brauerei, aber statt Bier werden hier nun Spirituosen produziert. Die traditionellen Rezepturen werden wieder von Hand angesetzt, aktuell umfasst das Sortiment 15 Produkte, die man vor Ort auch probieren und kaufen kann.
Seit Juli diesen Jahres gehört zur Manufaktur außerdem ein kleines Museum, das die fast 200-jährige Geschichte der Marke erzählt. Rund 300 Exponate zeigen, was Kuratorin Karin Erb in einem Vierteljahrhundert in einer zunächst privaten Sammlung zusammengetragen hat. Zu sehen sind originale Möbelstücke aus den historischen Mampe-Stuben, Aschenbecher, Gläser und Wandbilder aus den einstigen Kneipen und Bars, alte Fotografien sowie eine Kopie der Approbationsurkunde von Carl Mampe und einige kuriose Werbemittel.
Die Räume werden auch oft für Veranstaltungen genutzt. Ab dem 2. September kann man dort Werke der Berliner Künstlerin Ines Kettenburg sehen. Regelmäßig gibt es außerdem Führungen und Tastings.
Nicht nur für Schnapsdrosseln ein interessanter Ort.
