Barberini Potsdam

Max Liebermann – vom Gossenmaler zum Wegbereiter

Das Museum Barberini in Potsdam ist bekannt für seine umfangreiche Sammlung impressionistischer Gemälde und beschäftigt sich auch in Sonderausstellungen immer wieder mit diesem Thema.

Die aktuelle Ausstellung »Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland« richtet den Blick auf die Entwicklung dieser Stilrichtung im Deutschen Kaiserreich und auf den Künstler, der dabei eine zentrale Rolle spielte. Gezeigt werden über 110 Werke aus rund 60 internationalen Sammlungen, darunter etwa 50 Gemälde von Max Liebermann selbst. Ergänzt werden sie durch Arbeiten von Lovis Corinth, Max Slevogt, Lesser Ury oder Fritz von Uhde sowie von Künstlerinnen wie Sabine Lepsius und Maria Slavona.

Liebermann gilt heute als bedeutendster Vertreter des deutschen Impressionismus. Zu Beginn seiner Karriere stieß seine Malerei jedoch auch auf viel Ablehnung. Statt historischer Szenen oder heroischer Darstellungen zeigte er Menschen aus dem Alltag: Kinder beim Spielen, Arbeiterinnen bei der Arbeit, Szenen aus Waisenhäusern, Märkten oder einfachen Biergärten.

Solche Motive galten vielen Zeitgenossen als zu gewöhnlich für große Gemälde. Kaiser Wilhelm II. soll ihn deshalb spöttisch als »Gossenmaler« bezeichnet haben.
Auch die künstlerischen Einflüsse aus Frankreich waren politisch heikel. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 standen französische Vorbilder im Kaiserreich unter Verdacht. Gerade dort hatte sich jedoch der Impressionismus entwickelt. Maler wie Claude Monet oder Édouard Manet experimentierten mit Licht, Farbe und einer freien Pinselführung.

Liebermann ließ sich davon inspirieren und brachte viele dieser Ideen nach Deutschland. Besonders charakteristisch sind bei ihm die flirrenden Sonnenflecken, die durch Baumkronen auf Wege und Wiesen fallen und vielen seiner Bilder eine lebendige, sommerliche Atmosphäre geben. Heute ist es schwer nachzuvollziehen, dass dieses Spiel mit Licht und Schatten für viele Betrachter damals ein Skandal war.

Als Netzwerker und Kulturpolitiker spielte Liebermann eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der neuen Malerei. Er sammelte Werke französischer Impressionisten, die er in seinem Haus am Pariser Platz vielen Gästen zeigte. Außerdem reiste er regelmäßig nach Paris und setzte sich dafür ein, dass deutsche Museen moderne Kunst ankauften. Als Präsident der Berliner Secession förderte er zudem jüngere Künstler und trug dazu bei, dass sich eine internationale Perspektive im deutschen Kunstbetrieb durchsetzte.

Die Ausstellung im Barberini zeigt deshalb nicht nur seine eigenen Werke, sondern ein breites Panorama der Kunst um 1900. In thematischen Kapiteln geht es unter anderem um Theater und Oper, um Stillleben, um das Leben im Haus und im Garten oder um die moderne Großstadt. Ein eigener Bereich ist Berlin gewidmet. Dort sind unter anderem die eindrucksvollen Nachtbilder von Lesser Ury zu sehen, in denen sich Straßenlaternen und Autoscheinwerfer im nassen Asphalt spiegeln und die Metropole in ein flirrendes Licht tauchen.

Dabei wird deutlich, dass sich der Impressionismus in Deutschland teilweise anders entwickelte als in Frankreich. Während französische Maler häufig das unbeschwerte Leben auf Boulevards oder in Landschaften feierten, wirken manche deutschen Bilder nachdenklicher oder spannungsvoller. Themen wie Großstadtleben, soziale Unterschiede oder die nervöse Atmosphäre der Moderne treten hier stärker hervor.

Das letzte Kapitel der Ausstellung führt noch einmal zu Max Liebermann selbst zurück. In seinen späteren Jahren zog er sich zunehmend in seine Villa am Wannsee zurück. Dort entstanden zahlreiche Gartenbilder mit Blumenbeeten, Birken und lichtdurchfluteten Wegen. Diese idyllischen Motive zeigen eine ruhige Seite seines Werks. Gleichzeitig spiegeln sie auch einen Rückzug aus der Öffentlichkeit wider. Als jüdischer Künstler war Liebermann zunehmend antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt.

In der Max‑Liebermann‑Villa am Wannsee läuft derzeit eine Ausstellung, die den Maler vor allem als Netzwerker und Kulturpolitiker würdigt. Unter dem Titel »Alles für die Kunst! Max Liebermann zwischen Strategie und Kulturpolitik« wird dort besonders diese Seite seines Wirkens beleuchtet.

Die aktuelle Ausstellung im Barberini macht deutlich, dass der Impressionismus in Deutschland weit mehr war als eine verspätete Übernahme französischer Vorbilder. Sie zeigt eine Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die neue Wege gingen und damit entscheidende Impulse für die moderne Kunst setzten.

Noch bis zum 7. Juni kann man die Ausstellung anschauen. Geöffnet ist das Barberini
täglich außer Dienstag von 10 bis 19 Uhr. Wochentags kostet der Eintritt 16,- und am Wochenende 18,- €

Webseite der Ausstellung

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