Museum im Museum
Das Deutsche Historische Museum (DHM) Unter den Linden ist nun schon seit Jahren wegen Umbau geschlossen. Es wird wohl noch bis 2031 dauern, bis es dort wieder eine Dauerausstellung zur deutschen Geschichte zu sehen geben wird.
Aber bis dahin sind die Museumsmacher natürlich nicht untätig. Im modernen Museumsanbau, dem Pei-Bau, gibt es regelmäßig Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen. Man bemüht sich, möglichst viel aus dem riesigen Bestand des Museums zugänglich zu halten.
Ganz besonders gilt das für die aktuelle Sonderschau »Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung«, die seit Mai im Erdgeschoss des Pei-Baus zu sehen ist und noch bis zum 31. Oktober 2027 läuft. Sie befasst sich zum einen mit der eigenen Geschichte des Hauses und zeigt zum anderen ausgewählte Stücke der Sammlung aus verschiedenen Epochen.
Die Sammlung des Museums umfasst rund eine Million Objekte — zu sehen sind davon etwa 200 Exponate auf rund 400 Quadratmetern, von denen manche noch nie zuvor öffentlich gezeigt wurden. Die Bandbreite ist beträchtlich: Ein Brettspielkasten aus Bernstein aus Königsberg von 1607 steht neben dem Morgenrock der Königin Luise von 1806, einem Plakat zur Ausstellung »40 Jahre DDR« oder einem IKEA-Doppelstockbett aus einer Geflüchtetenunterkunft in Kassel von 2015.
Diese Ausstellung soll ganz bewusst keine Vorschau auf die kommende Dauerausstellung sein, bestenfalls ein Appetithappen, der die Vielfalt der Sammlung deutlich macht. Die künftige Ausstellungsfläche soll 5.000 Quadratmeter betragen. Da ist dann natürlich sehr viel mehr möglich.
Im ersten Teil der Ausstellung geht es um die Geschichte des Museums über fünf prägende Epochen zwischen 1883 und 2006.
Das Zeughaus, ursprünglich als repräsentatives Waffenarsenal der preußischen Könige errichtet, beherbergte ab 1883 die »Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee«. Im 20. Jahrhundert wurde es vom nationalsozialistischen Regime als Heeresmuseum genutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend von den Alliierten verwaltet und ab 1952 zum zentralen sozialistischen Geschichtsmuseum der DDR umgewandelt.
Nach der Wende wurde es zum Deutschen Historischen Museum (DHM), wobei ein großer Bestand des Museums für Deutsche Geschichte aus DDR-Zeiten übernommen wurde. Es ist aufschlussreich zu sehen, wie der Wechsel der politischen Regime sich auch auf die Darstellung im Museum auswirkte.
Das zeigt sich auch im zweiten Teil der Ausstellung, in dem einzelne Objekte im Mittelpunkt stehen. Dabei zählt nicht allein die historische Epoche, aus der ein Stück stammt, sondern auch der Zeitpunkt und die Umstände, unter denen es Teil der Sammlung wurde.
Darunter findet sich eine japanische Samurai-Rüstung, die Adolf Hitler einst geschenkt bekam, ebenso wie ein graviertes Straußenei und Arbeitsutensilien aus der Zeche Prosper Haniel in Bottrop. Aus stadtgeschichtlicher Sicht besonders reizvoll fand ich ein Modell des Deutschen Stadions, des eher unbekannten Vorläufers des Olympiastadions.
Die fast schon wilde Mischung aus verschiedensten Themen und Epochen zeigt recht eindrucksvoll die generelle Faszination eines Museums und macht auf jeden Fall neugierig auf das, was dann hoffentlich ab 2031 im DHM zu sehen sein wird.
Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 7,- €.
