NEBULA – vom Lost Place zum Art Space
Beelitz-Heilstätten südlich von Berlin kennen viele wegen der verlassenen Gebäude der ehemaligen Lungenklinik. Inzwischen gibt es auf dem weitläufigen Gelände verschiedene Attraktionen wie den Baumwipfelpfad oder einen Barfußpfad.
Seit dem vergangenen Wochenende gibt es hier nun auch etwas für das kunstinteressierte Publikum. Im ehemaligen Badehaus hat der »Nebula Art Space« eröffnet. Auf rund 1.800 Quadratmetern verbindet er historische Architektur mit Licht, Klang, Projektionen und digitalen Medien.
Das Badehaus ist dafür ein besonders passender Ort. Das denkmalgeschützte Gebäude mit seinen großen Rundbogenfenstern, historischen Fliesen und dem eindrucksvollen Kuppelsaal wurde einst für Moor- und Dampfbäder, Ruhe und Erholung genutzt. Licht und Luft spielten bei den Behandlungsmethoden eine wichtige Rolle. Die Patienten sollten möglichst viel Zeit im Freien verbringen und sich in den großen Liegehallen der Sonne aussetzen. Heute wird das Licht wieder zum zentralen Element. Allerdings nicht mehr als Therapie, sondern als künstlerisches Material.
Verantwortlich für die künstlerische Gestaltung ist vor allem das Potsdamer Kollektiv Xenorama. Die Künstler haben die Besonderheiten des Gebäudes und seine Geschichte in ihre Arbeiten einbezogen. So wird im Kuppelsaal mit »FIRMAMENT« eine raumfüllende Projektion gezeigt, die von der früheren Nutzung über Verfall und das Zurückerobern durch die Natur bis hin zu kosmischen Bildern führt.
An anderer Stelle wird Licht durch Linsen und Wasser gebrochen, Laserspuren zeichnen abstrakte Bilder in den Raum und digitale Spiegel setzen sich mit unserer Wahrnehmung und unserem virtuellen Ich auseinander. Bei einigen Installationen werden die Besucher selbst Teil des Kunstwerks. Bewegung und Anwesenheit verändern Licht, Bilder oder Klänge.
Dabei geht es nicht darum, einfach möglichst viele technische Effekte aneinanderzureihen. Die Ausstellung folgt einer Art Dramaturgie und bewegt sich zwischen Dunkelheit und Licht, Natur und Technik, Realität und Fantasie. Gerade im Zusammenspiel mit der alten Architektur entstehen dadurch interessante Kontraste.
Die Idee für einen dauerhaften Ort für Medienkunst entstand bei Xenorama nach der Corona-Zeit. Über Kontakte kam das Kollektiv schließlich zum Badehaus und entwickelte daraus gemeinsam mit weiteren Künstlern den heutigen Art Space. Der Name »Nebula« bedeutet Sternennebel und soll für einen etwas entrückten Ort stehen, an dem Neues entstehen kann.
Nebula soll dabei nicht nur Ausstellungsort bleiben. Geplant sind auch Workshops und andere kulturelle Veranstaltungen. Die Inhalte sollen sich außerdem etwa alle sechs Monate verändern. Eine Zusammenarbeit mit der Filmuniversität Babelsberg ist ebenfalls geplant.
Ganz billig ist das Vergnügen allerdings nicht. 23 Euro kostet das reguläre Ticket. Man kann nur hoffen, dass der relativ hohe Preis nicht viele Besucher abschreckt.
Die Anreise von Berlin ist dagegen erfreulich unkompliziert. Mit dem Zug ist man vom Berliner Stadtzentrum in etwas mehr als einer halben Stunde Bahnhof Beelitz-Heilstätten (RE 7). Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Nebula Art Space. Wichtig: Nicht in Richtung Baumwipfelpfad, sondern in die entgegengesetzte Richtung laufen. Bei meinem Besuch fehlten noch entsprechende Wegweiser.
Wer Beelitz-Heilstätten bisher vor allem als Lost Place kennt, bekommt mit Nebula einen weiteren Grund für einen Besuch. Es ist interessant zu sehen, wie gut sich der ganze Ortsteil entwickelt hat. Viele der schönen Gebäude sind inzwischen aufwendig saniert und einer neuen Nutzung zugeführt worden. Man darf gespannt sein, wie sich dieses geschichtsträchtige Gelände weiterentwickelt.
→ Webseite von NEBULA Artspace







