Dampfmaschinehaus Potsdam

Orientalische Dampfmaschine

Was aussieht wie eine Moschee, ist gar keine. Wer am Dampfmaschinenhaus in Potsdam vorbeikommt, dürfte sich über das ungewöhnliche Gebäude an der Neustädter Havelbucht erst einmal wundern. Mit seiner Kuppel und dem hohen, schlanken Schornstein erinnert es tatsächlich eher an einen orientalischen Sakralbau als an ein technisches Gebäude.

Das war auch beabsichtigt, als König Friedrich Wilhelm IV. das Dampfmaschinenhaus 1841 bis 1843 nach Plänen des Architekten Ludwig Persius errichten ließ. Persius orientierte sich dabei an einer Moschee in Istanbul. Der hohe Turm sieht deshalb aus wie ein Minarett. Tatsächlich verbirgt sich darin aber der Schornstein der Dampfmaschine.Auch innen ist das Gebäude erstaunlich schön gestaltet. Man würde bei einem Maschinenhaus ja eher eine nüchterne Halle mit viel Metall erwarten. Stattdessen gibt es Säulen, Ornamente und farbige Details. Technik und Architektur gehen hier eine ziemlich ungewöhnliche Verbindung ein.

Die Dampfmaschine hatte einen sehr konkreten Zweck. Sie sollte ein Problem lösen, an dem sich Friedrich der Große schon viele Jahre zuvor die Zähne ausgebissen hatte: die Wasserversorgung für die Fontänen im Park Sanssouci.Friedrich der Große hatte große Pläne für seinen Park. Auf dem Ruinenberg ließ er ein großes Wasserbecken anlegen. Das Wasser sollte aus der Havel mit Hilfe von Windmühlen dorthin hinaufgepumpt werden. Von dem hoch gelegenen Becken sollte es anschließend durch Leitungen in den Park fließen und die Fontänen speisen.So einfach die Idee klang, so wenig funktionierte sie in der Praxis. Die Windmühlen schafften es nicht, zuverlässig genügend Wasser auf den Ruinenberg zu pumpen. Auch die damaligen Pumpen und Leitungen machten Probleme. Der König musste schließlich feststellen, dass seine aufwendige Wasserversorgung nicht so funktionierte, wie er sich das vorgestellt hatte.Mit einer Ausnahme: Nach einem schneereichen Winter war das Becken auf dem Ruinenberg durch Schmelzwasser teilweise gefüllt. Das reichte tatsächlich aus, um die Fontäne für kurze Zeit in Betrieb zu nehmen. Nach wenigen Minuten war der Wasservorrat allerdings wieder erschöpft.

Friedrich der Große erlebte die endgültige Lösung seines Problems nicht mehr. Erst Jahrzehnte später war die Dampfmaschine weit genug entwickelt, um das Wasser tatsächlich auf den Ruinenberg zu befördern.Die Maschine im neuen Dampfmaschinenhaus wurde 1842 von August Borsig gebaut. Sie pumpte Havelwasser über eine etwa 1,8 Kilometer lange Leitung hinauf zum Hochbecken. Von dort konnte das Wasser dann mit natürlichem Gefälle in den Park Sanssouci fließen. Endlich funktionierte die Fontänenanlage so, wie Friedrich der Große es sich einst vorgestellt hatte.Heute ist die große Dampfmaschine selbst nicht mehr in Betrieb.

Wenn sie bei einer Führung trotzdem ihre Kolben bewegt, geschieht das mit Hilfe eines Elektromotors. Das Prinzip kann man so aber noch sehr gut nachvollziehen.Und Wasser wird hier tatsächlich bis heute gepumpt. Allerdings übernehmen diese Aufgabe inzwischen moderne Elektropumpen. Das historische Leitungsnetz wird teilweise weiterhin genutzt.

Das Dampfmaschinenhaus ist damit nicht nur ein technisches Denkmal, sondern hat immer noch eine Aufgabe.Besichtigen kann man die »Moschee« leider nur selten. Sie ist in der Regel immer nur am ersten Sonntag eines Monats im Rahmen von Führungen zugänglich. Im Inneren ist es ziemlich eng, deshalb können nur kleine Gruppen hineingelassen werden.

Die Führungen dauern jeweils etwa eine halbe Stunde. Tickets kosten 5,- € und sind nur vor Ort erhältlich.Danach sollte man sich im Park natürlich die große Fontäne anschauen. Man versteht jetzt noch besser, wie groß der Aufwand ist und welche technische Meisterleistung dafür schon früh erbracht wurde.

→ Webseite des Dampfmaschinenhauses in Potsdam

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