Ryuichi Sakamoto – Klangwelten
Die riesigen Rieckhallen des Hamburger Bahnhofs an der Invalidenstraße bieten den passenden Rahmen für mehrere großformatige Installationen des Komponisten und Künstlers Ryuichi Sakamoto (1952–2023).
»Ryuichi Sakamoto. seeing sound, hearing time« heißt die kürzlich eröffnete Ausstellung, die erste große Retrospektive dieses japanischen Künstlers in Europa. Gezeigt werden sieben Werke in fünf großformatigen Installationen.
Sakamoto ist vielen sicherlich eher als Komponist bekannt. Für seine Musik zu »Der letzte Kaiser« wurde er 1988 mit einem Oscar ausgezeichnet. Sein künstlerisches Werk geht aber weit über die kompositorische Arbeit hinaus.
Die Ausstellung widmet sich in erster Linie seinen Klanginstallationen. Den Beginn macht die Arbeit »IS YOUR TIME«. In deren Mittelpunkt steht ein Flügel, der beim Tsunami 2011 in Japan beschädigt wurde. In der Installation wird er durch Erdbebendaten aus aller Welt zum Klingen gebracht und dadurch zu einer Art Resonanzkörper für die Kräfte der Natur.
Auch das Thema Zeit spielt eine große Rolle in Sakamotos Werk. Das wird bei »TIME, TIME« deutlich, einer weiteren großformatigen Arbeit mit Shiro Takatani. Drei Projektionsflächen und ein großes Wasserbecken verbinden sich mit einer mehrkanaligen Klanginstallation. Mit einer Ausdehnung von fast 30 Metern ist die Arbeit wie geschaffen für die großen Räume der Rieckhallen.
Als Besucher durchschreitet man Klangräume, die etwas sehr Andächtiges und Beruhigendes haben. Gleichzeitig schärfen sie die Sinne für Details, wenn man sich darauf einlässt. Einzelne Töne und Geräusche werden plötzlich wichtig, die man in einer alltäglichen Umgebung wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen würde.
Den Abschluss der Ausstellung bilden Arbeiten, die aus der langjährigen Zusammenarbeit Sakamotos mit dem Künstler und Musiker Carsten Nicolai hervorgegangen sind. »PHOSPHENES« und »ENDO EXO« verbinden elektronische Klänge mit Projektionen. Damit schließt sich der Kreis zu Sakamotos Beschäftigung mit elektronischer Musik, die schon Jahrzehnte vor den hier gezeigten Installationen begann.
Noch bis zum 20. Juni 2027 kann man diese besonderen Klang- und Seherlebnisse im Hamburger Bahnhof erleben. Geöffnet ist das Museum dienstags und mittwochs von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 beziehungsweise 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 16 Euro.






