Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow
Das Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow steht oft ein wenig im Schatten anderer Schlösser in Berlin und Umgebung. Zu Unrecht, wie ich finde. Natürlich ist Schloss Schönhausen nicht so prächtig wie das Schloss Charlottenburg oder gar die Schlösser in Potsdam, aber auch hier wurde Geschichte geschrieben. Und zwar gleich mehrfach.
Wer Schloss Schönhausen heute besucht, bekommt deshalb nicht nur ein Stück preußische Geschichte zu sehen. Auch die Zeit des Nationalsozialismus und die Geschichte der DDR haben im Schloss deutliche Spuren hinterlassen. Das macht den besonderen Reiz von Schönhausen aus. Die verschiedenen Epochen liegen hier dicht beieinander.
Die Geschichte von Schloss Schönhausen beginnt im 17. Jahrhundert. Seine vielleicht bekannteste Bewohnerin war die preußische Königin Elisabeth Christine, die Gemahlin Friedrichs des Großen. 1740 schenkte Friedrich II. seiner Frau das Schloss, das sie fortan als Sommerresidenz nutzte. Von 1740 bis zu ihrem Tod 1797 verbrachte sie hier regelmäßig die Sommermonate.
Die Ehe der beiden war allerdings alles andere als glücklich. Friedrich wollte nicht mit seiner Frau zusammenleben und zog Potsdam vor. Schönhausen war sein Geschenk an die Königin, besucht hat er sie hier allerdings nie. Die meiste Zeit des Jahres lebte Elisabeth Christine alleine in ihrer Wohnung im Berliner Stadtschloss. In Schönhausen konnte sie dagegen im Sommer Hof halten, Gäste empfangen und ein eigenes gesellschaftliches Leben führen.
Wenn man heute durch die Räume von Schloss Schönhausen geht, bekommt man noch einen Eindruck von dieser Zeit. Besonders schön sind das große Treppenhaus und der prächtige Festsaal mit seiner Rokokoausstattung. Auch einige persönliche Dinge der Königin sind erhalten.
Schloss Schönhausen ist ein eher kleines und vergleichsweise bescheidenes Schloss. Seine Lage macht deutlich, dass es ursprünglich tatsächlich ein Landsitz war. Der Schlossgarten war früher wesentlich größer als heute und erstreckte sich weit in die Umgebung, die damals noch dörflich und ländlich war. Kein Vergleich mit dem heutzutage recht städtischen Umfeld.
Nach der preußischen Zeit wurde es um Schloss Schönhausen zunächst ruhiger. Im Nationalsozialismus bekam das Schloss allerdings eine ausgesprochen unrühmliche Rolle. Hier wurden ab 1938 Kunstwerke eingelagert, die im Rahmen der Aktion »Entartete Kunst« aus deutschen Museen beschlagnahmt worden waren. Viele dieser Werke sollten anschließend ins Ausland verkauft werden, um Devisen für das NS-Regime zu beschaffen.
Seit kurzem widmet sich im Schloss die neue Dauerausstellung »Kunst – Menschen – Macht« diesem Kapitel. Sie zeigt nicht nur die nationalsozialistische Kunstpolitik, sondern erzählt auch anhand einzelner Werke und Künstlerbiografien, was mit der beschlagnahmten Kunst geschah und welche Wege die Werke später genommen haben. Sehr interessant.
Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Geschichte von Schloss Schönhausen erneut grundlegend. 1949 wurde Schönhausen zum Amtssitz von Wilhelm Pieck, dem ersten Präsidenten der DDR. Sein Arbeitszimmer ist bis heute erhalten und kann besichtigt werden. Später wurde das Schloss zum Gästehaus der DDR-Regierung. Von 1965 an empfing man hier hochrangige Staatsgäste aus aller Welt.
Unter den Gästen waren beispielsweise Fidel Castro und Michail Gorbatschow. Gerade Gorbatschows Besuch im Oktober 1989 ist heute von besonderer historischer Bedeutung. Er war der letzte Staatsgast der DDR in Schönhausen. Während seines Aufenthalts traf er hier mit Erich Honecker zusammen. Wenige Wochen später fiel die Berliner Mauer.
Die DDR-Räume sind für mich deshalb ebenso interessant wie die königlichen Gemächer. Was damals vermutlich modern und luxuriös wirken sollte, sieht aus heutiger Sicht teilweise ziemlich piefig und spießig aus. Besonders bemerkenswert ist das lilafarbene Badezimmer im Damenappartement.

Die Einrichtung ist im Wesentlichen erhalten und vermittelt einen ziemlich unverfälschten Eindruck davon, wie sich die DDR in den 1960er-Jahren einen angemessenen Rahmen für internationale Staatsgäste vorstellte.
Auch nach dem Ende der DDR blieb Schloss Schönhausen ein Ort der deutschen Geschichte. In der Wendezeit tagte hier der Zentrale Runde Tisch. 1990 fanden außerdem Teile der Zwei-plus-Vier-Gespräche statt, bei denen die außenpolitischen Voraussetzungen für die deutsche Wiedervereinigung verhandelt wurden. Und sogar ein gekröntes Haupt war noch einmal zu Gast: 1991 übernachtete Königin Beatrix der Niederlande während ihres Deutschlandbesuchs im Schloss.
Zum Besuch von Schloss Schönhausen gehört unbedingt auch ein Rundgang durch den Schlosspark. Er ist heute zwar nur noch ein Teil der ursprünglichen Anlage, hat aber seinen eigenen Reiz. Die Geschichte des Gartens reicht von der barocken Anlage über den Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts bis zur modernen Gartengestaltung der DDR-Zeit. Rund um das Schloss stehen heute außerdem einige interessante Skulpturen.
Nach dem Rundgang kann man sich im »Café Sommerlust« im Schlossgarten bei Kaffee und Kuchen stärken. Das Café hat allerdings nur Plätze im Freien und ist deshalb eher etwas für einen schönen Tag.
Und noch ein Tipp für alle, die Gefallen an solchen eher unbekannten Schlössern finden: Seit kurzem gibt es den kostenlosen »Landschloss-Pass« der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Er gilt für sechs Schlösser, darunter Schönhausen, Rheinsberg, Oranienburg und Paretz. Bei jedem Besuch gibt es einen Stempel. Schon ab dem zweiten Schloss erhält man den ermäßigten Eintritt, und wer alle sechs besucht hat, bekommt eine kleine Überraschung. Eine nette Idee, um aus dem einzelnen Schlossbesuch gleich eine kleine Entdeckungsreise zu machen. Ich werde das eine oder andere dieser Schlösser hier sicherlich auch noch einmal vorstellen.
Der Eintritt in das Schloss Schönhausen kostet 8 €. Es gibt auch Führungen. Von April bis Oktober ist das Schloss Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet, in den Wintermonaten nur an den Wochenenden.
→ Webseite Schloss Schönhausen






