Gemälde "Hermione von Preußen" im Skandal in der Alten Nationalgalerie.

Skandal in der Alten Nationalgalerie

Die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel feierte gerade ihren 150. Geburtstag. Das Museum wurde 1876 eröffnet und gehört zu den bedeutendsten Ausstellungsorten für Kunst des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Zum Jubiläum beschränkt man sich nicht nur auf die bekannten Meisterwerke der Sammlung, sondern richtet den Blick auch auf Künstlerinnen und Künstler, die heute oft vergessen sind. Eine der aktuellen Sonderausstellungen ist der Malerin Hermione von Preuschen gewidmet.

Hermione von Preuschen war um 1900 eine schillernde und nicht selten umstrittene Persönlichkeit der Kunstszene. Sie arbeitete als Malerin, Schriftstellerin und Bühnenautorin, reiste viel und suchte bewusst ihren eigenen Weg außerhalb der akademischen Erwartungen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ihr monumentales Gemälde „Mors Imperator“, das bei seiner ersten Präsentation für großes Aufsehen sorgte.

Das Bild entstand 1887. Der lateinische Titel bedeutet „Der Tod als Herrscher“ oder „Der Tod als Kaiser“. Zu sehen ist eine allegorische Szene, in der eine todesähnliche Gestalt mit kaiserlichen Insignien dargestellt ist. Viele Zeitgenossen glaubten darin eine Anspielung auf den schlechten Gesundheitszustand von Kaiser Wilhelm I. zu erkennen, der damals bereits hochbetagt und schwer krank war.

Die Berliner Akademie lehnte das Werk für ihre Ausstellung ab, obwohl der Kaiser selbst keine Einwände hatte. Von Preuschen stellte es daraufhin in einer eigenen Ausstellung aus und löste damit eine heftige öffentliche Debatte aus, wurde dadurch aber auch schlagartig bekannt.

Die Ausstellung erinnert mit vielen Dokumenten auch an die enge Verbindung der Künstlerin zu Berlin. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte die aus Darmstadt stammende Hermione von Preuschen im damals noch ländlichen Lichtenrade vor den Toren Berlins. Dort kaufte sie 1908 in der Prinzessinnenstraße eine Villa und ließ daneben eine eigene Ausstellungshalle errichten. Das Anwesen, das sie „Tempio Hermione“ nannte, wurde zu einem ungewöhnlichen Treffpunkt für Künstler und Besucher aus ganz Berlin. Die Villa und die Ausstellungshalle existieren heute nicht mehr. Das Gebäude wurde 1996 abgerissen. Ganz in der Nähe erinnert heute der „Hermione-von-Preuschen-Platz“ noch an die Künstlerin.

Gut, dass die Alte Nationalgalerie mit dieser kleinen Kabinettausstellung an diese mutige und fortschrittliche Frau erinnert. Nun ist ihr Werk doch noch an diesem ehrwürdigen Kunstort gelandet, der ihr damals verschlossen blieb.

Frauen durften zu dieser Zeit noch nicht an den Kunstakademien studieren, wogegen sie protestierte. Auf dem internationalen Frauenkongress 1896 in Berlin hielt sie eine vielbeachtete Rede und sagte den auch heute noch bemerkenswerten und richtigen Satz: „Das Genie ist so frei, sich nicht ans Geschlecht zu kehren, es fliegt in die Seelen wem und wie es will“.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 15. November 2026 täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Der Einrtitt in die Alte Nationalgalerie kostet 14,- € .

Webseite der Ausstellung

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