Theo_von_Brockhusen jpeg

Theo von Brockhusen – Wiederentdeckung in Potsdam

Theo von Brockhusen ist ein Name, der heute kaum noch jemandem geläufig ist. Das ist umso erstaunlicher, wenn man die Bilder gesehen hat, die derzeit im Potsdam Museum gezeigt werden. Nach meinem Besuch dieser Ausstellung bleibt vor allem der Eindruck, einem Künstler begegnet zu sein, der zu Unrecht aus dem Blick geraten ist und dessen Werk eine Wiederentdeckung mehr als verdient. Umso bemerkenswerter ist dabei, dass die letzte größere Ausstellung mit seinen Bildern genau 100 Jahre zurückliegt.

Brockhusen wurde 1882 in Ostpreußen geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Kunstakademie in Königsberg. 1904 zog er nach Berlin, wo er Anschluss an die Berliner Kunstszene fand und der Berliner Secession beitrat. Dieser Künstlervereinigung gehörten bekannte Namen wie Walter Leistikow, Franz Skarbina und Max Liebermann an. Brockhusen bewegte sich also in einem Umfeld, das maßgeblich zur Entwicklung der modernen Malerei in Deutschland beitrug. Auch wenn er heute nicht mehr die Bekanntheit dieser Kollegen besitzt, arbeitete er doch auf einem vergleichbaren künstlerischen Niveau und war einige Jahre durchaus erfolgreich.  

In seinen frühen Jahren orientierte sich Brockhusen deutlich an Vincent van Gogh. Der Einfluss zeigt sich in den kräftigen Farben, dem lebhaften Pinselstrich und der intensiven Bildwirkung. Diese Anlehnung blieb jedoch keine bloße Nachahmung. Mit der Zeit entwickelte Brockhusen eine eigene Handschrift, die besonders in seinen Landschaftsbildern zum Tragen kommt. Charakteristisch ist eine besondere Farbigkeit, die Natur nicht nur abbildet, sondern emotional auflädt und verdichtet.

Ein großer Teil seines Werkes entstand in der Potsdamer Umgebung, vor allem rund um den Schwielowsee. Orte wie Caputh, Ferch oder Geltow tauchen immer wieder in seinen Gemälden auf. Auch Baumgartenbrück auf dem Weg nach Werder spielte eine wichtige Rolle. Dort hielt sich Brockhusen häufig auf und malte die Umgebung sowie das Ausflugslokal, das bis heute in seiner äußeren Erscheinung weitgehend erhalten ist.

Brockhusen starb bereits 1919 im Alter von nur 36 Jahren. Dieses frühe Ende erklärt zumindest teilweise, warum sein Werk vergleichsweise klein geblieben ist und sein Name heute kaum präsent ist.

Umso wichtiger ist diese Ausstellung im Potsdam Museum. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Theo von Brockhusen ein wichtiger Künstler mit einem feinen Gespür für Farbe, Licht und Landschaft war. Die Präsentation lädt dazu ein, ihn neu zu entdecken. Gleichzeitig weckt sie Lust, selbst hinauszugehen und die Landschaften rund um den Schwielowsee, in Caputh, Ferch, Geltow oder bei Baumgartenbrück, die Brockhusen gemalt hat, bei einem Spaziergang selbst zu entdecken.  Nicht nur im Sommer hat diese Gegend ihren ganz eigenen Reiz und zeigt sich ruhig, klar und sehr stimmungsvoll.

Geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 22. März 2026, immer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.  Am 24. und 31. Dezember sowee an Neujahr ist das Museum geschlossen.  Der Eintritt kostet 7,- €.

Webseite zur Ausstellung

Teile diesen Beitrag:

Mehr entdecken

  • Bonobo Stories

    Dass unsere tierische Verwandtschaft in manchen Dingen sogar weiter entwickelt ist als wir selbst, zeigt eine kleine, aber interessante Ausstellung im Wissenschaftsforum am Gendarmenmarkt. In der Ausstellung »Bonobo Stories« des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie sind Fotografien des bekannten Naturfotografen Christian Ziegler aus dem Salonga-Nationalpark zu sehen. Über einen langen Zeitraum hinweg hat er sich intensiv mit…

  • |

    Zeit läuft!

    Ein ungewöhnliches Filmprojekt steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Genau genommen ist es eigentlich gar keine Ausstellung, sondern eine Filmvorführung. In der großen Glashalle der Nationalgalerie wurde dafür ein Vorführraum eingebaut. Statt Kinosesseln gibt es zahlreiche Sofas, auf denen man es sich gemütlich machen kann. Dass man gut sitzt, ist bei…

  • Musica di Strada – Italien in Prenzlauer Berg

    Arbeitsmigration aus Italien ist kein Phänomen der 1960er-Jahre ist. Das zeigt eine gemeinsame Ausstellung des Museums Pankow und des Stadtmuseums Berlin. Schon rund 100 Jahre früher verließen viele Menschen ihre italienische Heimat, um anderswo auf der Welt bessere Lebensbedingungen zu finden. Zwischen 1861 und 1914 kamen sie meist aus Oberitalien und brachten verschiedene handwerkliche Fähigkeiten…

  • Vera Mercer entdecken

    Eine sehr vielseitige Fotografin habe ich letztens durch eine Ausstellung in der Zitadelle Spandau für mich entdeckt: Gezeigt werden Arbeiten von Vera Mercer, die 1936 in Berlin geboren wurde. Die Ausstellung mit dem Titel »Life in Focus« ist eine Retrospektive, die ihre Entwicklung von frühen Porträts bis zu ihren monumentalen Stillleben nachzeichnet. Mercer wuchs in…

  • Sony World Photography Awards 2025

    Noch bis zum 18. Januar 2026 ist im Willy-Brandt-Haus in Kreuzberg wieder die Ausstellung zu den Sony World Photography Awards 2025 zu sehen. Präsentiert werden rund 180 Werke aus dem weltweit größten Fotowettbewerb, der jedes Jahr aktuelle Strömungen der internationalen Fotografie sichtbar macht. Die Schau umfasst preisgekrönte Serien aus den professionellen und offenen Kategorien ebenso…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert