Walter Schels bei C/O Berlin
Ein beeindruckendes Lebenswerk gibt es in der Ausstellung mit dem geheimnisvollen Titel »16° Fische« zu entdecken, die derzeit bei C/O Berlin gezeigt wird. Es geht um die Werke des 1936 in Landshut geborenen Fotografen Walter Schels. Heute lebt und arbeitet er in Hamburg und feierte in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag.
Der Ausstellungstitel bezieht sich auf eine Konstellation in seinem Geburtshoroskop: Zum Zeitpunkt seiner Geburt am 7.3.1936 stand die Sonne im Tierkreiszeichen Fische bei 16 Grad. Das soll in der Astrologie für Eigenschaften wie Sensibilität, Intuition und Offenheit für Verwandlung stehen – sicherlich Eigenschaften, die auf Walter Schels zutreffen.
Anlässlich des runden Geburtstags zeigt C/O Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung F.C. Gundlach, der er sein Archiv anvertraut hat, die erste große Retrospektive des Fotografen in Berlin. Über 300 Arbeiten aus fast sieben Jahrzehnten sind zu sehen.
Bekannt wurde Schels vor allem durch seine eindringlichen Schwarzweiß-Porträts. In Langzeitstudien und Serien wie »Blind«, »Noch mal leben« oder »trans*« widmet er sich Grundfragen menschlicher Existenz, der Präsenz und Wahrnehmung, der Identität und existenziellen Übergängen. Sein Blick richtet sich auf den unverstellten Ausdruck. Seine Modelle sollen dabei auf keinen Fall lächeln, denn das lässt die Augen klein wirken und verzerrt das Gesicht. Sogar beim scheinbar ewig lächelnden Dalai Lama ist ihm das gelungen, indem er selbst einfach nicht zurücklächelte.
Das Spektrum der Porträtierten reicht vom Neugeborenen bis zum Hundertjährigen, vom großen Bären bis zur kleinen Pflanze – auch das hat er porträtiert.
Der besondere Reiz der Berliner Präsentation liegt jedoch in ihrer Vielseitigkeit, die weit über Porträts hinausgeht. Er war und ist immer noch neugierig auf Experimentelles. So entstehen Bilder durch chemische Experimente in seiner Dunkelkammer, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Er experimentiert mit Doppelbelichtungen und anderen Techniken. Was heute am Computer mühelos möglich ist, hat er immer wieder in zahlreichen Versuchen in der Dunkelkammer vollzogen. Für das Ergebnis spielen dabei sehr viele Faktoren eine Rolle – nicht nur Temperatur, Zeit und Zusammensetzung der Chemikalien, sondern immer ist auch Raum für zufällige Prozesse. Vielleicht wirken die Arbeiten daher auf mich ausdrucksstärker und persönlicher als das, was sich digital erzeugen lässt.
Neues fotografieren möchte er nicht mehr. Aber er möchte noch viel mit seinen vorhandenen Bildern arbeiten. Man darf gespannt sein, sein umfangreiches Werk gibt da sicherlich noch viel Spannendes her.
Noch bis zum 2. September kann man das Werk von Walter Schels bei C/O Berlin entdecken. Hörenswert ist auch der Podcast »Chats & Tracks« mit ihm, den man bei allen Podcast-Diensten oder bei C/O Berlin anhören kann.
Der Eintritt zur Ausstellung kostet 15,- €. Geöffnet ist täglich von 11 bis 20 Uhr.
