The Clock

Zeit läuft!

Ein ungewöhnliches Filmprojekt steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Genau genommen ist es eigentlich gar keine Ausstellung, sondern eine Filmvorführung.

In der großen Glashalle der Nationalgalerie wurde dafür ein Vorführraum eingebaut. Statt Kinosesseln gibt es zahlreiche Sofas, auf denen man es sich gemütlich machen kann. Dass man gut sitzt, ist bei diesem Film nicht ganz unwichtig. Denn wer ihn komplett anschauen möchte, braucht dafür genau 24 Stunden.

Für seine spektakuläre Videoarbeit hat Christian Marclay aus tausenden Film- und Fernsehszenen jene montiert, in denen Uhren, Zeitmesser oder deutliche Zeitangaben vorkommen. Das Ergebnis wirkt wie ein großes Puzzle. Jede Minute des Tages ist vertreten. Gleichzeitig ist The Clock auch eine funktionierende Uhr. Die Projektion ist exakt mit der Berliner Ortszeit synchronisiert. Wenn also eine Szene eine Uhrzeit zeigt, entspricht sie der tatsächlichen Zeit im Raum. Da verschmilzt filmische Zeit und reale Gegenwart auf eine ganz besondere Weise. Das klingt vielleicht zunächst nach einer Spielerei, hat aber eine ungeheure Faszination, der man sich schwer entziehen kann.

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Das Spektrum der zusammengeschnittenen Filme reicht von bekannten Klassikern über Western und Thriller bis zu weniger bekannten Science-Fiction- und Fernsehproduktionen. Vieles stammt aus Hollywood, aber auch deutsche Filme wie »Lola rennt« oder »Berlin Alexanderplatz« sind dabei.

All diese manchmal nur sehr kurzen Filmschnipsel sind perfekt miteinander verbunden. Auch wenn es eigentlich keine fortlaufende Handlung gibt, ist es erstaunlich spannend und unterhaltsam, sich das anzuschauen. Eine wahre Hommage an das Kino, bei der natürlich auch immer wieder Erinnerungen an eigene Kinoerlebnisse aus vergangenen Zeiten zurückkommen.

Das Thema Zeit ist in diesem Werk auf so vielen Ebenen präsent, dass sie paradoxerweise irgendwann gar keine wirkliche Rolle mehr spielt. Man kann sich einfach zurücklehnen und auf der Leinwand das Leben an sich vorbeiziehen lassen.

Natürlich muss man sich nicht die kompletten 24 Stunden anschauen, davon rät auch Christian Marclay ab. Immerhin muss man ja auch mal schlafen und auf die Toilette gehen. Wie auch im wirklichen Leben muss man akzeptieren, dass man immer wieder vieles verpasst und nicht überall dabei sein kann. Diese Erkenntnis kann aber auch sehr beruhigend sein.

Für dieses Projekt hat die Neue Nationalgalerie ihre Öffnungszeiten verlängert. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 20 Euro. Man kann damit auch alle anderen Ausstellungen im Haus besuchen.

An Freitag, den 5. Dezember, und am 2. Januar ist sogar rund um die Uhr geöffnet. Man könnte also theoretisch wirklich die ganzen 24 Stunden anschauen. In der Zeit zwischen 20 Uhr abends und 10 Uhr morgens ist der Eintritt dann frei. Mit längeren Wartezeiten ist am Eingang allerdings zu rechnen.

Besonders interessant könnten die frühen Morgenstunden zwischen 3 und 5 Uhr werden. Nach Aussage des Künstlers war es am schwierigsten, für diese Zeiten passende Szenen zu finden.

Mein Tipp: sich auf jeden Fall Zeit nehmen und dieses außergewöhnliche Werk anschauen.

Webseite zur Ausstellung

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