Schlossjungfer und Sandwich-Insulaner auf dem Friedhof der Insulaner

Etwas versteckt gegenüber der Kirche St. Peter und Paul und dem Blockhaus Nikolskoe in Berlin-Wannsee gibt es einen ganz besonderen kleinen Friedhof. Hier wurden und werden Menschen beigesetzt, die mindestens 25 Jahre auf der Pfaueninsel gelebt haben. Es sind einige interessante Grabstellen zu finden.

So z. B. das Grab des langjährigen königlichen Hofgärtners und Kastellan Gustav Adolph Fintelmann (1803 -1871), der sich auch als Publizist und Botaniker einen Namen machte. Er stammte aus einer bedeutenden Gärtnerfamilie. Schon sein Onkel und sein Großonkel waren auf der Pfaueninsel tätig und haben die Landschaft dort entscheidend beeinflusst. Der Name Fintelmann ist daher auch häufiger auf diesem Friedhof zu finden.

Auf einem Grabkreuz findet sich die Inschrift »Hier ruht in Gott der Sandwichs-Insulaner Maitey«. Das Kreuz steht auf dem Grab von Harry Maitey. Er war der erste Hawaiianer, der nach Preußen kam und ab 1830 auf der Pfaueninsel lebte und als Gehilfe des Dampfmaschinisten arbeitete.

Sehr viel ist über ihn nicht bekannt, auch wenn es mehre Publikationen über seinen Fall gibt. Vieles ist Spekulation. Nicht mal seinen richtigen Namen weiß man mit Sicherheit. Der Name Harry Maitey wurde ihm erst in Deutschland gegeben. Belegt ist, dass er mit Wilhelm von Humboldt Gespräche führte, da dieser sich mit der Erforschung der Polynesischen Sprache beschäftigte. Natürlich war der Hawaiianer in der damaligen Zeit ein Exot. Soweit man weiß, wurde er aber von den anderen Bewohnern freundlich aufgenommen und war gut integriert. Auf der Pfaueninsel heiratet er die Tochter des dortigen Tierwärters, Dorothea Becker. Sie ist neben ihm beerdigt.
Die etwas merkwürdige Bezeichnung Sandwich-Insulaner kommt übrigens daher, dass die Insel Hawaii ursprünglich als Sandwich-Island benannt wurde.

Auf jeden Fall eine spannende Lebensgeschichte, die man auch in dem Buch »Der Sandwich-Insulaner: Von Polynesien auf Preußens Pfaueninsel« von Michael Stoffregen-Büller nachlesen kann.

Solche Geschichten sind ein Grund, warum ich so gerne auf Friedhöfen unterwegs bin. Man stößt immer wieder auf interessante Schicksale aus früheren Zeiten.

Ein weiteres Beispiel dafür ist das Grab der Schloßjungfer Fräulein Marie Strakow. Sie diente als Vorlage für die literarische Figur der kleinwüchsigen Marie Strakon in dem lesenswerten Roman »Pfaueninsel« von Thomas Hettche. In dem Buch beschreibt er das (fiktive) Leben einer Frau, die fast ihr ganzes Leben auf der Insel verbringt. Was genau historisch belegt ist, und was reine Fiktion ist, kann ich nicht sagen. Der Roman hat auf jeden Fall viele Fans, die gerne auf die Insel pilgern und dort die (angeblichen) Schauplätze suchen.

Einen Besuch auf der Pfaueninsel sollte man nach einem Besuch auf dem Friedhof natürlich auch unbedingt machen. Ein Spaziergang dort ist immer ein schönes Erlebnis. Vorher lohnt noch ein Blick in der Kirche St. Peter und Paul. Vom Turm der Kirche erklingt zu jeder vollen Stunden ein Glockenspiel mit wechselnden Melodien.

Weitere Informationen

Der Friedhof ist tagsüber frei zugänglich. Der Eintritt auf die Pfaueninsel kostet 4,- € inkl. Fährüberfahrt.

Webseite mit Informationen zur Pfaueninsel

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