Vaginal Davis
Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv und ist nicht mehr aktuell.

Vaginal Davis: Fabelhaftes Produkt

Sie ist eine eindrucksvolle Erscheinung – die Künstlerin Vaginal Davis ist selbst so etwas wie ein Kunstwerk.

Ihre Kunst lässt sich schwer einordnen und passt in keine Schublade. Davon kann man sich derzeit im Martin Gropius Bau ein Bild machen. Anlass für die Ausstellung ist der 20. Jahrestag ihrer Übersiedelung von Los Angeles nach Berlin.

„Vaginal Davis: Fabelhaftes Produkt“ ist die erste umfassende Einzelausstellung der queeren Künstlerin in Deutschland. Schon der Titel deutet an, was viele ihrer Arbeiten auszeichnet: Ironie – auch Selbstironie – ist immer mit dabei.

Ms. Davis bewegt sich in vielen künstlerischen Genres. In der Ausstellung sind großformatige Installationen ebenso zu sehen wie Gemälde, Zeichnungen, Video- und Filmwerke, Zines und Bücher. Jeder Ausstellungsraum setzt einen eigenen Schwerpunkt.

In einem Raum stehen kleine Skulpturen, inspiriert vom Kinderbuchklassiker „Der Zauberer von Oz“. Ein anderer Bereich ist als rosa Schlafzimmer inszeniert – mit einem sich drehenden Bett, auf dem ein riesiger Gips-Penis thront.

Davis spielt nicht nur mit Bildern, sondern auch mit Sprache. Eine Raum trägt den Titel „Hofpfisterei“ – in Berlin bekannt als bayerische Bäckereikette, hier aber wohl auch eine Anspielung auf eine bestimmte Sexpraktik.

In diesem Raum werden verschiedene Texte präsentiert, die sie seit den 1980er-Jahren geschrieben hat. Zur Verbreitung nutzte sie, was gerade verfügbar war: Mit dem Fotokopierer erstellte sie Zines, verschickte sie per Post oder verbreitete ihre Texte per Newsletter in der Community. 

Auch das Bloggen entdeckte sie früh für sich – ihr Blog »SPEAKING FROM THE DIAPHRAGM« existiert seit über 20 Jahren und ist noch immer online.

Davis’ Arbeiten sind oft explizit, drastisch, schrill. Sie bezeichnet sich selbst als Blacktress, Drag-Terroristin und Aktivistin. Trotz aller Provokation schimmert in vielen Arbeiten der feine Humor durch, der ihre Kunst menschlich und zugänglich macht. Ich fand das spannend. 

Noch bis zum 14. September 2025 ist die Ausstellung in den tollen Räumen des Martin-Gropius-Baus zu sehen.

Geöffnet ist am Wochenende jeweils von 10 bis 19 Uhr, wochentags von 12 bis 19 Uhr. Dienstags ist geschlossen.  Der Eintritt kostet 9,– €

Webseite zur Ausstellung

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