Das Atelier von Jeanne Mammen – ein Besuch in der „Zauberbude“

Künstlerwohnungen haben meistens eine ganz besondere Atmosphäre und erzählen viel über ihre Bewohner. So ist es auch in einer kleinen Wohnung am Kurfürstendamm 29, die ich vor einiger Zeit besuchen konnte. Hier hat die Malerin Jeanne Mammen gelebt und gearbeitet. Mehr als 56 Jahre lang. Bis zu Ihrem Tod im Jahr 1976.

Auf der Staffelei steht noch das letzte Bild, an dem sie gearbeitet hat (inzwischen wurde das wertvolle Original gegen eine Kopie getauscht) und man würde sich nicht wundern, wenn die Künstlerin plötzlich zur Tür hereinkäme und weitermalen würde.

Jeanne Mammen wurde 1890 in Berlin geboren, wuchs aber in Paris auf und studierte dort Malerei und Grafik. Im Ersten Weltkrieg wurde die recht wohlhabende Familie in Frankreich enteignet und musste mittellos nach Deutschland fliehen. Mit Jobs als Modezeichnerin und Illustratorin schlägt Jeanne Mammen sich durch und mietet 1920 zusammen mit ihrer Schwester Mimi die Atelierwohnung am Kurfürstendamm. Im reichen Charlottenburg, war es nicht unüblich, dass beim Bau von Wohnhäusern gleich auch Atelierwohnungen für Künstler eingeplant waren.

Heutzutage denkt man bei Ku`damm natürlich gleich an eine Luxuswohnung. Die Wohnung war und ist das aber ganz und gar nicht. Sie befindet sich im Hinterhaus in der 4. Etage (91 Stufen). Das Luxuriöseste an der Wohnung sind sicherlich, die 5 Meter hohen Fenster Richtung Norden, die für ein angenehmes Licht sorgen. Noch heute befindet sich die Toilette auf halber Treppe und es gibt kein Bad. Außerdem ist die Wohnung sehr klein. Auf Fotos wirkt das deutlich größer. Schwer vorzustellen, dass Jeanne hier bis ins hohe Alter gelebt hat. Sie scheint ihr kleines Reich aber gemocht zu haben, „Zauberbude“ hat sie ihre Wohnung genannt.

Wer, wie ich, das Glück hat an einer Führung durch das Atelier teilzunehmen, erfährt dabei viel von dem Leben, dass sich in diesen Räumen abgespielt hat und kann die besondere Atmosphäre der Räume immer noch spüren.

Finanziell ging es ihr oft nicht sehr gut. Davon zeugt auch ein mobiles Bücherregal, das noch in einem der Zimmer steht. Gemeinsam mit ihrem Freund Hans Uhlmann betrieb sie damit einen Buchstand an der Ecke Krufürstendamm/Wielandstraße wo sie Bücher und Zeichnungen verkauften. Einige enge Freunde wie der Nobelpreisträger Max Delbrück und andere haben die Künstlerin gerade in den schweren Jahren der Nazidiktatur immer unterstützt.

Ihren Freunden ist es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass es das Atelier immer noch gibt. Zunächst kümmerte sich ein Förderverein darum, seit einigen Jahren gehört es zum Stadtmuseum Berlin. Zuständig ist dort Frau Dr. Martin Weinland, die auch gelegentlich Führungen durch die Räume anbietet (Kontaktdaten unten). Sie kann wunderbar lebendig und natürlich fachkundig erzählen. Man kommt der Künstlerin dadurch sehr nahe und bekommt noch einmal einen anderen Blick auf ihre wunderbaren Bilder.

Virtueller Rundgang durch das Jeanne Mammen Atelier

Wer keine Möglichkeit zu einer Führung vor Ort hat, kann online einen hervorragend gemachten virtuellen 360°-Rundgang durch die Atelierräume unternehmen. Nicht ganz so atmosphärisch wie in den Originalräumen, aber auch sehr informativ.

Beigesetzt wurde Jeanne Mammen auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße in Friedenau. Ihre letzte Ruhestätte ist wie ihre Wohnung sehr bescheiden. Ein Fach in der untersten Reihe des Kolumbariums. Seit einiger Zeit ist es immerhin ein »Ehrengrab«.

Ich finde, eine solch bedeutende Künstlerin hätte etwas Besseres verdient.
Es hat mich sehr gefreut zu hören, dass es wohl konkrete Pläne für eine Umbettung in ein würdigeres Grab gibt. Ich hoffe, dazu wird es bald kommen.


Weitere Informationen

Eine Besichtigung des Ateliers ist nur im Rahmen einer Führung möglich und kostet 5,- €.
Termine findet man auf der Webseite des Stadtmuseums oder kann sie per E-Mail bei Frau Dr. Weinland erfragen und buchen:  weinland@stadtmuseum.de

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