Berlin-Grünau: Krumme Lake und viel Tradition

Viele werden die »Krumme Lanke« in Berlin-Zehlendorf kennen, dieser Ausflugstipp führt uns allerdings in ein Naturschutzgebiet zwischen Berlin-Grünau und Schmöckwitz zur »Krummen Lake«.

Ich habe die hier beschriebene Wanderung bei ersten leichten Schneefällen im November gemacht, aber auch zu anderen Jahreszeiten ist die Landschaft sehr reizvoll. Es gibt auf der Tour auch einige besondere, sehr traditionsreiche Einkehrmöglichkeiten.

Los geht es am S-Bahnhof Grünau. Zunächst ein kleines Stück am »Adlergestell« entlang. Das ist, mit knapp 12 Kilometern Länge, die längste Straße in Berlin. Nicht unbedingt die schönste und in erster Linie bekannt aus dem Verkehrsfunk wegen vieler Staus. Glücklicherweise können wir als Fußgänger schon nach kurzer Zeit in den Wald abbiegen.

Erstes Ziel ist der Waldfriedhof Grünau. Er wurde 1920 angelegt. Einige Minister, früherer DDR Regierungen sind hier beerdigt. Deutlich beliebter war aber sicherlich der Entertainer »Heinz Quermann«, der hier auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Er war der bekannteste Schaumaster im DDR-Fernsehen.

Kurz hinter dem Friedhof beginnt dann das Naturschutzgebiet »Krumme Lake«. Ein Feuchtgebiet entstanden aus einem ehemaligen Nebenfluss der »Dahme«. Je nach Witterung führt das Flüsschen mehr oder weniger Wasser. Verschiedene Amphibienarten haben hier ihren Lebensraum. Der Weg schlängelt sich parallel zum Wasserlauf.

Man könnte immer weiter geradeaus bis nach Schmöckwitz laufen. Ich schlage aber vor, links in Richtung zur »Dahme« abzubiegen. Genau genommen ist es allerdings nicht wirklich der Fluss »Dahme« den wir erreichen, sondern der »Lange See«, der durch den Fluss gebildet wird. Die Landzunge auf der wir uns jetzt befinden hat den schönen Namen »Bammelecke«. So ganz genau weiß man wohl nicht, woher der Name kommt. Es soll etwas mit flachen Stellen im See zu tun haben, an denen Schiffe oft hängen geblieben sind, was als »bammeln« bezeichnet wurde.

Am Ufer der Dahme (bzw. Langen Sees) geht es nun wieder Richtung Grünau. Immer wieder gibt es kleine Buchen mit Bademöglichkeiten und es bieten sich schöne Ausblicke auf die Müggelberge und den Müggelturm.

An der Tram-Haltestelle »Strandbad-Grünau« biegen wir links in den Wald ab. Das ist übrigens die wahrscheinlich schönste Tram-Linie in ganz Berlin. Sie wurde 1912 als »Schmöckwitz–Grünauer Uferbahn« angelegt und fährt jetzt als Linie 68 von Köpenick nach Alt-Schmöckwitz. Man sieht viel Wald und Wasser während der Fahrt.

Wir laufen aber weiter und erreichen bald die traditionsreiche Waldgaststätte  »Hanff’s Ruh«. Im Sommer und im Winter ein guter Ort für eine Pause. Im Sommer gibt es einen schönen Biergarten und im Winter einen Glühweinstand und im Restaurant Gänsebraten und was die gutbürgerliche Küche sonst noch so zu bieten hat. Die Preise sind fair kalkuliert. Am Wochenende sollte man einen Tisch vorbestellen oder man begnügt sich mit einer Bratwurst an der Bude vor dem Lokal.

Schon seit 1884 kümmert man sich hier um hungrige Wanderer und Ausflügler. „Hier können Familien Kaffee kochen“ war zeitweise das Motto. Das lag daran, dass der Wirt keine Lizenz zum Kaffeeausschank hatte. Heißes Wasser durfte er aber verkaufen. Inzwischen gibt es dort sogar »Latte macchiato«.

Gut gestärkt geht es nun weiter nach Grünau. Wir erreichen die Regattastraße. Hier reihen sich die Häuser diverser Ruder-, Kanu- und Segelclubs aneinander. Grünau ist immer noch ein Wassersportzentrum. Wir kommen auch an den Tribünen der Regattaaanlage vorbei. Hier fanden 1936 diverse olympische Wettkämpfe statt und auch heute noch gibt es hier Regatten.

Auf unserem Weg kommen wir als Nächstes zum »Riveria«. Dieser Gebäudekomplex beherbergte einst verschiedene Vergnügungseinrichtungen und Lokale. Rauschende Feste müssen hier stattgefunden haben in den 1920er-Jahren. Zu DDR Zeiten war hier eine HO-Gaststätte. Der große Ballsaal konnte aber schon ab 1980 wegen Baumängeln nicht genutzt werden. Nach der Wende verfielen die Gebäude noch mehr.

Inzwischen ist Neues entstanden auf dem Gelände und einiges Alte wurde integriert. Der „Riviera-Saal“ ist wieder hergerichtet worden und wird als Restaurant genutzt. Noch hatte ich keine Gelegenheit, es zu besuchen. Ich bin gespannt.

Schräg gegenüber findet man gleich das nächste Traditionslokal. Das »Café Liebig« besteht auch schon seit 1870 und bezeichnet sich als Berlins schönste Jugendstil Café. Die Räume sind in den vergangenen Jahren liebevoll restauriert worden. Wieder ein schöner Ort für eine Kaffeepause mit ziemlich leckerer Torte. Es gibt aber auch ein großes Angebot an herzhaften Gerichten. Im Sommer kann man auch schön draußen sitzen.

Bevor es wieder zum S-Bahnhof Grünau zurückgeht, machen wir noch einen kleinen Schlenker zur Grünauer-Friedenskirche. Sie wurden, wurde um 1900 erbaut und ist erstaunlich groß für solchen einen kleinen Ort. Falls die Kirche geöffnet ist, sollte man ein Blick auf die interessanten Ausmalungen des Innenraums werfen.

Von der Kirche ist es jetzt noch mehr weit zurück zu unserem Ausgangspunkt. Mit der S-Bahn geht es dann von der grünen Au zurück ins große Berlin.

Weitere Informationen

Länge der Tour: ca. 9,8 km  Dauer ca. 3 Stunden

Beschaffenheit der Wege:  Waldwege, geschotterte Wege, Bürgersteig

Nützliche Links:

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