Studio Rex
Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv und ist nicht mehr aktuell.

Studio Rex bei C / O Berlin

Fotostudios gab es früher in jeder, auch kleineren Stadt. Passfotos, Familienfotos, Bewerbungsfotos – die ganze Palette der Gebrauchsfotografie wurde dort erstellt. 

Solche Studios gib es auch heute noch, aber es sind wesentlich weniger geworden. Während unsere Vorfahren oft nur wenige Male in ihrem Leben abgelichtet wurden, sind für uns Fotos etwas ganz selbstverständliches und es werden davon Unmengen täglich produziert. 

Eine Ausstellung bei C/O Berlin richtet den Blick jetzt auf solch ein Studio. Das Studio Rex in Marseille wurde 1933 gegründet und bestand bis 2018.  Dem Sammler Jean-Marie Donat ist es zu verdanken, dass das umfangreiche Archiv dieses Fotostudios nicht auf dem Müll landete. 

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Im Studio Rex ließen sich nicht die Schönen und Reichen fotografieren, sondern es waren eher die sogenannten »einfachen Menschen«, die zu den Kunden zählten.   Viele davon waren auf der Flucht. Entweder aus politischen Gründen oder weil sie in ihren Heimatländern in Nord- und Westafrika keine Chance zum Überleben sahen.

Für manche war die Hafenstadt Marseille auch nur eine Durchgangsstation und sie benötigten Passfotos für ein Visum zur Weiterreise oder eine Aufenthaltsgenehmigung.

Andere wiederum ließen sich im Studio Rex Kopien von mitgebrachten Fotos ihrer Lieben anfertigen. Oft waren das die einzigen Erinnerungsstücke, die ihnen geblieben waren.

Wem es gelang sich in der Fremde ein neues Leben aufzubauen, ging gerne zum Fotografen, um seinen Angehörigen in der Heimat ein Bild zu schicken und sich ansprechend zu präsentieren.

In der Ausstellung sind Fotos aus all diesen Bereichen zu sehen. Bei den wenigsten Fotos weiß man etwas über die dargestellten Personen. Trotzdem laden die Bilder dazu ein, sich Geschichten und Schicksale der Menschen auszumalen. Das macht die Ausstellung so spannend und solch ein Archiv der »Gebrauchsfotografien« so wichtig.

Auch das in Berlin-Kreuzberg beheimatete Studio Mathesie wird in der Ausstellung kurz vorgestellt. Es musste schon 1993 schließen.  Sein umfangreiches Archiv befindet sich jetzt im Stadtmuseum FHXB in Kreuzberg.

Am Ende hat der Besucher die Möglichkeit in einem improvisierten Studio mit verschiedenen Requisiten sich selbst in Szene zu setzen und zu fotografieren.

Was wohl unsere Nachfahren einst zu den vielen Bildern sagen werden, die wir hinterlassen? 

Bis zum 5. September 2024 ist die Ausstellung noch täglich zwischen 11 und 20 Uhr zu sehen. Tickets kosten 12,- €.

Webseite zur Ausstellung

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