Heitere Muse im Spiegelzelt

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Vielleicht ist euch schon das eindrucksvolle Zelt aufgefallen, dass seit einiger Zeit zwischen Neptunbrunnen und dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte steht.  Dieses belgische Art-Déco Spiegelzelt dient der Komischen Oper als eine Ausweichspielstätte, während das Stammhaus saniert wird.

»Heiteres Musiktheater«  wird im Zelt geboten. Ein Genrebegriff, der in den 1950er-Jahren in der DDR geprägt wurde.  Auf dem Spielplan steht »Messeschlager Gisela«, ein Stück, das 1960 im Metropoltheater in Berlin uraufgeführt wurde. Die Musik stammt von Gerd Natschinski, der Text von Jo Schulz. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht der VEB Berliner-Schick.  Die Leipziger Messe steht vor der Tür und der Firma fehlt noch ein besonderes Messehighlight.  Dafür zuständig ist eigentlich der Betriebsleiter und Chefdesigner Robert Kuckuck. Der zeichnet sich allerdings in erster Linie durch Inkompetenz und Selbstüberschätzung aus und ist wohl eher wegen guter Beziehungen zu dieser Position gekommen.

Ganz anders die junge Modegestalterin Gisela, die bis vor Kurzem noch als Näherin tätig war und die modischen und praktischen Bedürfnisse der Frauen natürlich viel besser kennt. Ihren Entwurf lehnt der selbst gefällige Chef aber ab und arbeitet weiter an seinen Entwürfen, die er versucht aus westlichen Modekatalogen abzukupfern.

Daneben gibt es noch mehrere Liebesgeschichten, einen sächselnden Hausmeister, einen schwulen Zuschneider und einen Journalisten, der sich als Transportarbeiter ausgibt, um das Herz von Gisela zu erobern. 

Ich hoffe, ich verderbe niemandem den Spaß, wenn ich verrate, dass es natürlich ein Happy End gibt und das von Gisela entworfene Kleid der große Messeschlager wird.

Zur Zeit der Uraufführung des Stückes im Jahr 1960, also noch vor dem Bau der Mauer, konnte man in dem Stück durchaus kritische Zwischentöne erkennen. Einige freche Bemerkungen über die VEB Leitung und die DDR Wirtschaft waren schon ein Jahr später nicht mehr möglich und das Stück wurde entsprechend umgeschrieben oder gar nicht mehr aufgeführt. 

Regisseur Axel Ranisch bezieht sich bei seiner Inszenierung auf die Originaltexte. Aber manches, was damals sicherlich frech und witzig war, funktioniert mehr als 60 Jahre später nicht mehr so recht.  Sosehr sich das hervorragende Ensemble auch bemüht – zumindest mich konnte die Geschichte nicht wirklich begeistern. Harmlos und nett sind die Adjektive, die mir dazu einfallen.  

Das klingt vielleicht böser, als es gemeint ist, denn wir sind hier ja im Musiktheater und die Kompositionen von Gerd Natschinski sind auf jeden Fall eingängig und unterhaltsam. Fantastisch dargeboten von dem 30-köpfigen Orchester der Komischen-Oper. 

Die Schauspieler, Sänger und Tänzer machen ihre Sache auf dem relativ kleinen Bühnenpodest exzellent. Teilweise waren so viele Darsteller auf der Bühne, dass man Angst haben musste, dass einige herunterfallen. 

Bekannte Namen (Gisa Flake, Andrea Schneider, Thorsten Merten) sind unter den Darsteller*innen. Ich kann aber gar nicht sagen, wer mir am besten gefallen hat. Eine tolle Gesamtleistung.

Freundlich, begeisterter Schlussapplaus des Premierenpublikums, wenn auch nicht euphorisch.

Offizieller Trailer zum Stück

Wer Spaß an »Heiterem Musiktheater« hat, kann sich noch bis zum 7. Juli eine eigene Meinung zu dem Stück bilden. Viele Karten gibt es allerdings nicht mehr. Die meisten Vorstellungen scheinen schon fast ausverkauft zu sein. 

Eine Besonderheit im Spiegelzelt ist, dass es auch günstige  (12,– €) Stehplätze gibt. Man schaut dabei von oben auf die wie eine Manege angelegte Bühne. Nicht die schlechteste Perspektive. Es braucht nur etwas Stehvermögen. Mit einer (recht langen) Pause dauert die Vorstellung etwa 2,5 Stunden.

Webseite der Komischen Oper

Transparenzhinweis: Das Ticket wurde mir vom Veranstalter kostenlos zur Verfügung gestellt

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